Depressionen

 

Die Krankheit Depression hat mit „depressiv sein“, was im Alltagsverständnis soviel heißt wie traurig und lustlos sein, kaum etwas zu tun, genauso wenig, wie unser „schockiert sein“ gleichbedeutend mit dem medizinischen Schock ist.

Depressionen sind Krankheiten, wie jede andere auch, vergleichbar mit einer vererbten, körperlichen Erkrankung, die jedoch nicht den Körper befällt, sondern im Unterschied dazu das Gemüt, weil die Biochemie des Gehirns nicht stimmt.

So wie man bei körperlichen Beschwerden Antibiotika schluckt, um das Immunsystem zu stärken, so nimmt man bei Depressionen Antidepressiva, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Depression, was ein lateinisches Wort für „Niederdrückung” ist, meint eine Störung des Gefühlslebens, die sich in einem Leeregefühl, einem Gefühl der Gefühllosigkeit äußert. Meist besteht eine langanhaltende, unangenehme Stimmungslage,  welche sich auf das ganze Verhalten und Erleben auswirkt und oft nicht mehr angemessen der Situation angepasst ist. 

Die häufigsten Symptome sind Antriebsstörungen, innere Unruhe und Schlafstörungen, fehlende Lebensfreude, innere Leere und traurige Verstimmung, vermindertes Selbstwertgefühl, schwindendes Interesse, Unentschlossenheit , Schuldgefühle, Selbstanklagen, Müdigkeit.

Aber auch Energielosigkeit, Reizbarkeit, ein Gefühl der Wertlosigkeit, Tagesschwankungen, Libidoverlust, Entwicklungsstillstand, gestörte Farbwahrnehmung (alles ist grau), körperliche Beschwerden (Schmerzen wie zb Migräne) und Missbefinden, Lebensunlust und Suizidgedanken sind typische Symptome einer Depression.  

Hoffnungslosigkeit, Abwertung der eigenen Person und anderer, unrealistische Ängste, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Zwänge, Nachlassen des Appetits sind ebenfalls häufig begleitende Symptome. Ganz unrealistische negative Fehleinschätzungen der eigenen Vergangenheit, der Gegenwart, der finanziellen Situation, der Partnerbeziehung usw. können dazukommen.   

Ab und zu können auch psychomotorische Verlangsamung, verschiedenste Süchte, Manien, Wahnideen, Panikattacken, Selbstmordversuche und akustische Halluzinationen auftreten.

 

Depressionen sind schwere, mühselige und gefährliche, weil potentiell tödliche Krankheiten.

 

Es gibt keine Persönlichkeitsmerkmale, die uns für Depressionen anfällig machen oder vor ihnen schützen können. Die Depression kann durch ganz verschiedene Beschwerden gekennzeichnet sein, sie hat viele Gesichter. Meistens wird sie von außen her aber gar nicht bemerkt, ist also eine unsichtbare Erkrankung, die dadurch noch verstärkt wird, dass viele Patienten ihre Symptome möglichst geheim halten, da viele Patienten und vor allem Nicht-Patienten immer noch der Meinung sind, dass Depressionen selbstverschuldet sind, sei es durch angebliche Charakterschwächen, falschem Lebensstil oder Fehlverhalten von Familienangehörigen, Umstände oder Geschehnisse, abgesehen vielleicht von einem schweren psychischen Trauma.


Es gibt kaum eine Verhaltensweise, eine Charaktereigenschaft, eine Weltanschauung, die nicht „schuld“ an Depressionen ist. Das allein sollte schon misstrauisch stimmen. Wenn es wirklich einen Schuld- oder Kausalzusammenhang zwischen zwei Ereignissen gibt, so gibt es in der Regel nicht zwanzig oder noch mehr andere „Gründe“. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen  von der Vorstellung der Schuld der Patienten und ihrer Familien. Von Depressionen Betroffene haben ein Recht darauf, genauso als Patienten ernstgenommen zu werden, wie andere Kranke auch.

 

Und aus diesem Grund darf die Umwelt endlich unvoreingenommen Verständnis zeigen und Hilfestellung leisten.

 

Literatur: 

„Ich kann nicht wollen“  (Brigitte Woggon)

„You mean I do not have to feel this way?“ (“Befreite Gefühle” - Colette Dowling)  

"Meine ruhelose Seele"  (K.R. Jamison)

 

 

Infos über Depressionen:  siehe Links/Wichtiges 

 

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