Dies soll kein Versuch eines Erziehungsratgebers sein, derer gibt es schon genug.
ABER einige Punkte haben sie alle gemeinsam, diese sollen hier aufgezeigt werden. 

Erziehung

 

Die Pfeiler, auf denen die Welt des Kindes ruht, sind Stabilität und Kontinuität.
Diese kann man in Kinderbetreuungseinrichtungen natürlich nur bedingt vermitteln.
Die Kinderkrippe, der Kindergarten und der Hort sind Dienstleistungen und können keinen Ersatz bieten für eine liebevolle Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Je besser und liebevoller andere mit dem Kind umgehen, desto mehr sinkt das Selbstvertrauen der Eltern.  Doch nicht nur das Kind braucht hier professionelle Betreuung,
sondern vorallem die Eltern sind es, die Unterstützung benötigen.

 

 

Eltern benötigen 2 zentrale Arten von Liebe:

Die "sanfte Liebe" und die "standfeste Liebe";

Mit sanfter Liebe meint man die Fähigkeit, Kindern entspannt, mit Wärme und mit Zuneigung zu begegnen; instinktiv und befreit von äußeren Zwängen, entspannt und ganz man selber sein, damit man einfach für sein Kind "da" sein kann.

Standfeste Liebe ist die Fähigkeit, freundlich, aber bestimmt zu sein, klare Regeln aufzustellen und einzuhalten, ohne ärgerlich zu werden oder aus Schwäche nachzugeben. >Rückgrat

Um Mißverständnissen vorzubeugen:
Standfeste Liebe bedeutet, in liebevoller Absicht stark zu sein, keinesfalls hat sie etwas mit Kälte oder Härte zu tun. Gute Eltern treten ihren Kindern gegenüber bestimmt auf, besonders wenn es um Sicherheit oder Respekt gegenüber anderen geht, weil sie wissen, dass sie ihnen damit zu einem glücklicheren Leben verhelfen.

Doch es gibt auch hier, wie so oft, kein Patentrezept.
Aus der jeweiligen Situation heraus wird man immer wieder die richtige Balance zwischen diesen beiden Eigenschaften finden müssen.
Freundlich, aber bestimmt:
"Nein, bei diesem Wetter darfst du nicht draußen spielen, aber vielleicht finden wir in der Küche etwas Schönes für dich!"
Einerseits besorgt um die Gesundheit des Kindes, andererseits verstehen, dass das Kind Beschäftigung und Aktivität braucht.

 

Probleme:
Treten "Probleme" auf, so ist das zumeist nur der Versuch ihres Kindes, Ihnen zu sagen, dass etwas aus der Balance geraten ist. Manchmal muss man, um dem Kind helfen zu können, die eigene Fähigkeit zur sanften oder zur standfesten Liebe erneuern.
Vielleicht müssen Sie mehr von dieser Liebe geben, als Sie selbst jemals als Kind erfahren haben. Das liegt in der Natur ihres Elterndaseins! Es stellt uns immer wieder vor neue Zerreißproben und zwingt uns, über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen.
Aber dazu brauchen Eltern auch Hilfe und Ermutigung.

 

Damit ihr Elternsein nicht zu einer einzigen, enormen Anstrengung wird, müssen sie sich Unterstützung und Liebe von anderen holen. Lernen Sie zuerst, Liebe zu empfangen, denn erst dann können Sie Liebe an ihr Kind weitergeben.
Ein Beispiel: Emotionale Zuwendung und tätige Liebe (wie Massagen, Leckerbissen, Zeit, Fürsorge und Schutz vor heranstürmenden Verwandten) für die Mutter vor und nach der Geburt hat reale physische Auswirkungen. Liebe ist eine wirkliche, greifbare Substanz und je mehr davon vorhanden, desto schöner.

Alle verschiedenen Formen der Zuwendung werden Ihnen helfen, Ihre eigene Liebesfähigkeit zu entdecken und zu entwickeln.

Kurzgefasst: Wenn Sie selbst eine behütete und liebevolle Kindheit erlebt haben, werden sie ebenso mit ihren Kindern umgehen. Aber selbst, wenn Sie eine wenig liebevolle Kindheit erlebt haben, können sie den Dingen noch eine gute Wendung zum Wohle ihrer Kinder geben.

 

Unterstützung:
Vieles im Leben ist leichter, wenn man die Unterstützung anderer zur Seite hat - das gilt vor allem für die Kindererziehung. Zweifellos erfordert die Auseinandersetzung mit und das Erziehen von Kindern Entschlossenheit, Mut und Hingabe. Und nichts ist wichtiger als die Rückenstärkung durch den Partner, was aber nicht bedeutet, das Kommando zu übernehmen. Beziehungen werden einfacher, wenn die Beteiligten direkt miteinander kommunizieren. Sowie sich an einer Kommunikation aber mehrere Menschen beteiligen, entsteht Verwirrung.
Ein Kind, das zB mit seiner Mutter etwas verhandelt, soll das auch mit ihr zu Ende bringen. Der Vater sollte lediglich dafür sorgen, daß das Kind bestimmte Grenzen einhält und die Sache vorankommt. Auf diese Art und Weise bleibt alles unkompliziert.
Partner sollten sich gegenseitig unterstützen, beide Elternteile müssen sowohl nachgeben als auch konsequent auftreten können, und sie müssen sich einig sein!
Vor 30 Jahren noch galt, daß Väter streng und Mütter weich waren und die Frauen versuchten die Härte der Männer auszugleichen. Gleichzeitig wurde die Unterstützung durch den Vater eher mißbraucht: "Warte, bis Vater nach Hause kommt." Der mußte dann abends den bösen Mann spielen und die Mutter konnte sich tagsüber nicht durchsetzen.
So eine Rollenverteilung kann nicht besonders gut funktionieren, weil das Kind beide Elternteile als unausgeglichen erlebt.
Versuchen Sie einen Weg zu finden, der am besten zu Ihnen paßt. Daß Sie es richtig machen, merken Sie spätestens dann, wenn Sie den Satz "Das ist unfair! Ihr seid beide gegen mich!" zu hören bekommen.

 

Die Kraft der Berührung:
Die Folgen mangelnder Zuwendung kann man nicht ernst genug nehmen. Ein Baby kann an Einsamkeit sterben.

Zärtliche Berührungen setzen die Produktion von Wachstumshormonen in Gang und ein Baby, dem durch Zärtlichkeit Sicherheit vermittelt wird, kann sich auf das Wachsen konzentrieren. Es kann medizinisch nachgewiesen werden, dass Zärtlichkeiten das Immunsystem stimulieren und einen deutlichen Anstieg des Hämoglobingehaltes bewirken, also ein "lebensnotwendiges Vitamin" für den Menschen sind.

Selbst ältere Kinder, die manchmal Berührungen ablehnen, um ihre Unabhängigkeit zu demonstrieren, suchen hie und da noch Schutz in einer elterlichen Umarmung, also tun wir gut daran, die Arme offenzuhalten.

 

Die Kraft des Lobes:
Kinder, die zu hören bekommen, dass sie ihren Eltern Freude machen, werden das auch tun.

Wir müssen Kindern zweierlei Arten von Lob vermitteln. Die erste ist das bedingungslose Lob. Dabei geben wir dem Kind zu verstehen: "Ich habe dich lieb, weil du so bist, wie du bist", dh ohne Einschränkung, nur weil man da ist. Diese Liebe muß das Kind sich nicht verdienen und es kann sie auch niemals verlieren.

Die zweite ist das bedingte Lob. Dabei teilen wir dem Kind mit: " Es ist toll, was du tust, und es gefällt uns". (du singst schön...)

Es ist auch in Ordnung, wenn sie ihre Kinder wissen lassen, was Ihnen nicht so gut gefällt, solange Sie sie nicht beschimpfen.

Manchmal müssen Eltern erst lernen, positive Dinge überhaupt zu erkennen. Unsere Wahrnehmung ist ein kraftvolles Instrument, denn es beeinflusst Kinder ungemein, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken.

("Sie bekommen immer das, was Sie selbst heraufbeschwören.")

Wenn Sie immer nur das Negative suchen und zum Gesprächsgegenstand machen, so wird Negatives die Folge sein.

Stattdessen können Sie sich auf viel Erfreulicheres konzentrieren und ihrem Kind zu verstehen geben, dass Sie seine Bemühungen wahrnehmen und sie auch kommentieren, dann tun Sie genau das Richtige und das Positive wird schließlich überwiegen.

 

Eine kleine Übung: "Charaktereigenschaft der Woche"

1. Wählen Sie 3 Charaktereigenschaften aus, die Ihnen besonders am Herzen liegen (zb Höflichkeit, Geduld, Selbständigkeit, Sanftmut, Kooperation...)

2. Erklären Sie eine dieser 3 Eigenschaften zum Übungsziel der Woche.

3. Notieren Sie es jedes Mal, wenn das Kind diese Eigenschaft zeigt. Kommentieren Sie es manchmal und nehmen Sie es ansonsten zur Kenntnis. Verzichten Sie auf negative Bemerkungen. Sie können sicher sein, dass diese Eigenschaft gegen Ende der Woche deutlich stärker ausgeprägt ist. Gehen Sie dann zur nächsten Charaktereigenschaft über. Sie können die Wahl auch dem Kind überlassen und während der Woche gemeinsam darauf achten.

Äußern Sie sich auch jetzt nur im Positiven und ignorieren Sie Ausrutscher.

 

Der Zeitfaktor:

Es gibt eine wichtige Voraussetzung für eine von sanfter Liebe geprägte Beziehung zu ihrem Kind: Zeit.
Sie müssen für ihr Kind gegenwärtig und so oft wie möglich ansprechbar sein, und das geht nur, wenn Sie
genügend Zeit für ihr Kind haben. Sie können Ihrem Kind hundertmal sagen, wie sehr Sie es lieben, wenn Sie nie Zeit für Ihr Kind haben, werden Ihre Worte sich als Lügen entpuppen. Bei Kindern zählen Taten und nicht Worte.  

Viele glauben, den Bedürfnissen der Kinder zu genügen, wenn Sie sich zu genau festgelegten Zeiten mit ihnen beschäftigen. Man kann aber nicht auf Befehl Kinderstunde halten, menschliche Beziehungen sind eine höchst sensible Angelegenheit.

(wenn Eltern so verfahren, fühlen sich die Kinder wie eine Ehefrau, deren Ehemann, nachdem sie den ganzen Abend ignoriert hat, um halb 11 den Fernseher ausschaltet und sich ihr in amourösen Absichten zuwendet.)

Natürlich muss es auch Zeiten geben, die für bestimmte Tätigkeiten reserviert sind, und sei es nur für ein gemeinsames Frühstück oder Abendessen. Auf diese Weise können alle Familienmitglieder zwanglos zusammenfinden, sich austauschen und den Fernseher getrost ausgeschaltet lassen.

Kinder beziehen ihr Selbstwertgefühl zu großen Teilen aus der Wertschätzung, die die Eltern ihnen entgegenbringen. Kinder sind dann glücklich, wenn sie spüren, dass sie ihren Eltern das Teuerste auf der Welt sind. Sie sollen zwar nicht die ganze Familie mit ihren Ansprüchen tyrannisieren, aber sie haben ein Recht darauf, dass ihre Belangen ernst genommen werden und in abgeschwächter Form gilt dies selbst noch für Teenager.

 

Jeden Tag gut beschließen

In einer Familie aus unserem Bekanntenkreis findet jeden Abend ein
besonderes Ritual statt. Anstatt einer Gute-Nacht-Geschichte lassen Vater oder Mutter noch einmal die Ereignisse des Tages Revue passieren und erzählen, welches Ereignis für sie am schönsten war. Dann fragen sie die Kinder: "Und was hat euch am besten gefallen?"
Sie hören genau zu, was die Kinder zu sagen haben, und geben ihnen dann einen Gute-Nachtkuß. Das ist eine sehr schöne Art, den Tag zu beschließen, und eine äußerst wirkungsvolle Methode, die Energien auf das Positive zu lenken.

 

Alle Eltern brauchen Zeit für sich selbst

Sie können keinen anderen Menschen lieben, wenn Sie keinen Sinn, kein Empfinden für sich selbst haben.

Räumen Sie sich genügend Platz ein, Sie selbst zu sein und nehmen Sie sich jeden Tag etwas Zeit für sich selbst,
und zwar regelmäßig. (mit Freunden treffen, lesen, baden, meditieren, spazieren, Briefe schreiben,...)

Die Zeit, die man allein verbringt, ist noch wichtiger, als die zu zweit.
Denn sie können sich ihrem Partner nur dann zuwenden, wenn Sie in sich selbst ruhen.

 

 

Standfeste Liebe:

Kinder brauchen Disziplin, sie müssen sich an bestimmte Regeln (der Gesellschaft) halten und können/dürfen nicht alles tun, was sie wollen, schon allein zu ihrem eigenen Schutz.

Dabei müssen sie aber das Gefühl haben können, dass die Eltern sie lieb haben und sie sich auf sie verlassen können und unterstützt werden, wenn sie etwas alleine nicht schaffen.

Immer nachgeben hat nicht den Effekt, daß Kinder diszipliniert werden. Eltern, die ihren Kindern keine Grenzen setzen, werden feststellen, daß das Verhalten ihrer Kinder sich verschlechtert. Ohne klare Regeln können Sie einen ganzen Tag mit Diskussionen verbringen, an dessen Ende weder Sie noch ihr Kind glücklich ist. Mit effektiven Disziplinierungsmethoden  sind die Probleme schnell gelöst und man kann sich wieder angenehmeren Dingen zuwenden.

Das eigentliche Ziel ist, den Kindern beizubringen, wie sie heiter und gelöst mit den Anforderungen des Lebens fertig werden können. Aber ohne eine gewisse Standfestigkeit der Eltern entwickeln Kinder keine Selbstkontrolle und ihr Leben wird zum Chaos, weil sie keine Selbstdisziplin kennen.

Die Vorgehensweise heißt "Standfeste Liebe" - standfestes Eingreifen aus Liebe zum Kind.
Eltern, die zur standfesten Liebe fähig sind, sagen: "Ich liebe dich, und gerade deswegen erlaube ich dir nicht, dich so aufzuführen." Sie verbinden Liebe und Standfestigkeit, sie schlagen nicht, sie verletzen nicht und sie beschuldigen nicht, aber sie sind unerschütterlich in ihrer Haltung.


Die 2 Kerntechniken der standfesten Liebe sind:
"Stillstehen und nachdenken" und dann "Problem lösen"

Sie können vom Kleinkindalter an und - mit einigen Abwandlungen und Modifizierungen - über die Jugend bis ins Erwachsenenalter hinein eingesetzt werden. Sind die Kinder erwachsen, wird sich diese Fähigkeit "stillzustehen und nachzudenken" und dann "das Problem zu lösen". zu einer inneren Qualität entwickelt haben und ihnen zu Klugheit, Reife und Reflexion in ihren Handlungen verhelfen.

Doch wie ist das umzusetzen?
Kleine Kinder am besten hochheben und sie in eine freie Ecke des Zimmers befördern, wo sie weiterhin festgehalten werden. Kinder müssen daran erinnert werden, was man von ihnen will
(warum sie jetzt in der Ecke sein müssen).
"Wenn du dich beruhigt hast, kannst du wieder aus der Ecke kommen?
Machst du jetzt das, was ich will?"

Kleine Kinder verstehen oft nur die Sprache des Körpers. Wir müssen ihnen physisch klarmachen, dass etwas nicht läuft, mit festem Griff, aber ohne sie zu erschrecken und ihnen auf keinen Fall wehzutun.
Sind sie selbst zu aufgeregt, verfrachten Sie die Kleinen in ihr Zimmer, bis sie sich wieder beruhigt haben.
Schon bald wird ihr Kind gelernt haben, daß es an einer bestimmten Stelle stillstehen und nachdenken muss, wenn Sie es ihm sagen. Es wird auf sie hören, weil es weiß, daß es keine Alternative gibt, aber auch, weil es weiß, daß das Ganze nicht lange dauern wird und keine Strafe ist, sondern nur eine Methode, mit einem Problem umzugehen, die den Sinn hat, daß das Kind selbst zu einer akzeptablen Lösung findet.

Natürlich bedeutet standfeste Liebe, daß die Kinder mit weniger angenehmen Dingen konfrontiert werden. Aber niemals wird ihnen Schaden zugefügt. Das einzige Ziel der standfesten Liebe ist es, Kinder auf einen guten Weg zu führen.

 

Warum in der Ecke und warum stehend?
Kleinere Kinder kann man ruhig sitzen oder liegen lassen, solange sie sich nicht vom Fleck rühren.
Ältere Kinder sollen nicht angelehnt mit dem Gesicht zur Wand in der Ecke stehen, weil es vor Ablenkung schützt und dem Kind hilft, sich zu konzentrieren. Es ist langweilig und die Beine werden schnell müde.
Sinn der Übung ist es nicht, dem Kind Demütigung oder Schmerz zuzufügen, vielmehr soll das Kind dazu motiviert werden, das Problem selbst zu lösen, um sich aus seiner Zwangslage zu befreien.
Sagen Sie zu ihm: "Du brauchst dich überhaupt nicht schlecht zu fühlen, du sollst nur darüber nachdenken, was du hättest besser machen können. Wenn du das herausgefunden hast, reden wir miteinander,
und du kannst aus der Ecke hervorkommen."

 

Wie wendet man das jetzt an?

1. Vorbereitung - Setzen Sie sich ein klares Ziel!
Stellen Sie sich die Frage: Was ist falsch gelaufen, was soll das Kind besser machen?

2. "Stillstehen und nachdenken" muß auch gelernt werden.
Bei Kleinkindern ist es ausreichend, sie an eine bestimmte Stelle zu setzen und einen Augenblick verstreichen zu lassen. Sagen Sie:" Du must hierbleiben, bis wir uns einig geworden sind. Wenn du wieder friedlich bist, kannst du weiterspielen."
Wenn Sie es festhalten müssen, dann sagen Sie: "Ich lasse dich los, wenn du dich wieder beruhigt hast".  In diesem Alter können Sie sich damit zufrieden geben, wenn Sie ein Einlenken spüren oder eine zähneknirschende Entschuldigung hören. Helfen Sie dem Kind, die Dinge richtig zu machen. Wenn zB ein Spielzeug an die Wand geflogen ist, dann holen Sie die Kiste herbei, damit Ihr Kind es einräumen kann.

3. Bei größeren Kindern (vom Alter von drei Jahren an) wird das Gespräch, das Sie führen immer wichtiger.
Ihr Kind muß Sie davon überzeugen, daß es sich in Zukunft besser verhalten wird.
Es muß die Situation im Gespräch lösen und zeigen, daß es auch anders kann. Eine Bezeichnung dafür ist "Problem lösen". Das lernt das Kind hier.
Sagen Sie dem Kind, was seine Aufgabe ist: "Steh´ still und denke darüber nach, wie du dir den Ärger eingebrockt hast. Wenn du es weißt und ich soweit bin, dann komme ich zurück und wir reden darüber."

4. Führen Sie folgendes Gespräch, wenn Ihr Kind "Problemlösen" will.
a "Erzähl´ mir, was hast du gemacht?"
(Diese Frage zeigt Ihrem Kind, daß es wichtig ist, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.)
b "Was hast du dir dabei gedacht bzw gefühlt oder was hast du dir gewünscht?"
c "Was hättest du anders machen können, um dein Ziel zu erreichen?"
(Vielleicht kennt Ihr Kind bereits einen besseren Weg, oder vielleicht haben Sie die gleiche Diskussion schon einmal geführt, dann kann Ihr Kind diese Frage schon selbst beantworten. Vielleicht müssen Sie Ihrem Kind aber auch erst zeigen, wie es seine Sache besser machen kann, wie es sich zB am Spiel anderer beteiligen kann, wie man eine Stoppuhr benutzt, damit jedes Kind die gleiche Zeit zur Verfügung hat, um mit einem begehrten Spielzeug zu spielen, oder wo es seine Spielsachen vor ganz kleinen Kindern in Sicherheit bringen kann)
d "Wie willst Du die Sache in Zukunft anpacken?"
(Verlangen Sie hier einen konkreten Vorschlag und ein eindeutiges Versprechen, eine Zusicherung.)
e "Zeig´ es mir jetzt!"
(Machen Sie Ihrem Kind klar, daß Sie ihm die Gelegenheit geben möchten, die Sache, die zuvor zum Konflikt geführt hat, noch einmal zu wiederholen und diesmal richtig zu machen.)

5. Führen Sie die Sache zu einem guten Ende.
(Das Schöne an "Das Problem lösen" ist, daß das Problem damit aus der Welt geschafft ist. Sie müssen zwar momentan ein bißchen Zeit investieren, aber dann nie wieder (schlimmstenfalls noch ein- oder zweimal).
Am Ende fühlen sich alle Beteiligten wohler und sind wieder versöhnt.

 

Ein ganz neuer Ansatz

Diese Art von Disziplin unterscheidet sich ganz erheblich von der "Disziplin" früherer Zeiten, die für die Kinder oft grausam und jammervoll war, da die Eltern oft überfordert waren und schlicht die Methoden wiederholten, die sie selbst gehaßt hatten.
Wenn Disziplin jedoch als konsequentes Verhalten verstanden wird, als eine tragende Säule liebevoller Erziehung, dann erübrigen sich Schmerz, Scham und Furcht.
Standfeste Liebe bedeutet, seinen Kindern gegenüber respektvoll und gewaltlos zu handeln, ohne sich dabei jedoch das Heft aus der Hand nehmen zu lassen.
Dieses Vorgehen wird zu einer Revolution in der Kindererziehung führen und den Eltern wird es leichter fallen, aus ihren Kindern starke, liebevolle und stabile junge Erwachsene zu machen, und sie werden die Erziehung als eine vergnügliche Aufgabe empfinden, eine Aufgabe, die voller Freuden ist.

 

Drei Tricks, mit denen man Kinder dazu bringt, kooperativ zu sein

Mit ein bißchen Voraussicht kann man Konflikte abwenden, bevor es zu einer Konfrontation kommt.
Anfangs werden Sie kleinen Kindern vergleichsweise oft "Stillstehen und nachdenken" verordnen müssen, bald jedoch werden sie lernen, nach einer Warnung, oder wenn Sie bis drei gezählt haben, zu reagieren. Erfahrenen Eltern gelingt es mit ein wenig Umsicht, Schwierigkeiten von vornherein zu umschiffen oder so abzuschwächen, daß der Konflikt nicht aus dem Ruder läuft.
Folgende Tipps können vielleicht hilfreich sein:

Vorbeugen:
Viel Ärger mit Kindern beruht auf Überanstrengung, Hunger oder Müdigkeit.
Sorgen Sie für eine ordentliche Mahlzeit, bevor Sie mit Ihrem Kind das Haus verlassen, und bieten Sie regelmäßig eine kleine Erfrischung an.
Planen Sie ihre Unternehmungen genau und verzichten Sie auf Unwichtiges. damit Sie nicht unter Zeitdruck geraten. Gestalten Sie ihr Leben möglichst einfach, solange Ihre Kinder klein sind, denn Kleinigkeiten können furchtbar lang aufhalten.
Geben Sie Ihrem Tagesablauf einen angenehmen Rhythmus mit festen Ritualen, so daß die Kinder sich dieser Routine anpassen können. Gestalten Sie das Zuhausesein fröhlich. Verrichten Sie die alltäglichen Aufgaben mit möglichst viel Spass, legen Sie bei der Hausarbeit zum Beispiel fröhliche Musik auf. Sparen Sie sich Perfektionismus und seien Sie unbesorgt schlampig. Kosten Sie die Freude aus solange ihre Kinder noch klein sind und so viel Zeit mit Ihnen verbringen.
Wenn kleine Kinder ruhelos und nervös sind, so fehlt ihnen meist Bewegung.
Unsere moderne Welt mit winzigen Gärten, Sicherheitsgurten, langen Autofahrten und vielen Gefahren verursacht viele Probleme und Sandkästen, Wasserbecken, Platz zum Rennen und Klettern schaffen Abhilfe. Ein Kind, das sich
ausgetobt hat, ist für gewöhnlich sehr kooperativ.

Umlenken:
Vermeiden Sie Ärger, indem Sie einen Handel vorschlagen, oder versuchen Sie es mit Bestechung.
"Ich kaufe dir später ein Eis, wenn du mir jetzt hilfst und in deinen Autositz kletterst."
(am besten bestechen Sie Ihre Kinder mit etwas, das sie sowieso vorgehabt hätten :-)
So können Sie viele Konflikte umgehen. Wenn zwei Kinder um ein Spielzeug streiten, können Sie anbieten, daß jenes, das warten muß, hinterher länger damit spielen darf.
Kinder können lernen, sich abzuwechseln, sie können lernen, sich nach einer Uhr zu richten, und sich auch so ,iteinander arrangieren, daß mehrere Kinder mitspielen können.
Manchmal ist auch Langeweile die Ursache allen Übels. Lenken Sie die Aufmerksamkeit des Kindes auf etwas Neues.
Ein Gutteil der "Aufsässigkeit" von Kindern kommt daher, daß sie nicht wissen, wie sie etwas besser machen können. Greifen Sie Ihre Kinder nicht an, wenn sie etwas falsch machen, sondern versuchen Sie, ihnen beizubringen, wie es richtig ist. Sie sind diejenigen, die Ihren Kindern beibringen, was gute Manieren sind. Woher sonst sollen sie es lernen?

Notwendige Auseinandersetzungen:
Wenn alle Methoden nicht gefruchtet haben, so kann das bedeuten, daß Ihr Kind eine Kraftprobe sucht. Warum Nicht? Kinder müssen sich immer wieder einmal neu orientieren und herausfinden, wo sie stehen und wer der "Boß" ist. Jetzt ist "Stillstehen und nachdenken" gefragt. Schließlich geht es den Kindern ziemlich gut, und es ist nur recht und billig, ihnen hier und da Mitwirkung abzuverlangen, auch wenn ihnen das nicht gefällt.
Ob es sich darum dreht, ein Spielzeug zu teilen, sanft miteinander umzugehen, Worte und nicht Hiebe zu gebrauchen, Geduld zu üben, zu helfen, in Notfällen bedingungslos zu gehorchen oder zu lernen, sich bei einem Spiel in die Gruppe einzufügen - immer wird "Stillstehen und nachdenken" und dann "Problem lösen" Kinder davon abhalten, ihrem allerersten Impuls zu folgen. Sie werden die Sache durchdenken und dann ein Vorgehen wählen, das zum Erfolg führt. Es geht nicht darum, sie in ihren Aktivitäten zu hemmen, sondern ihnen zu mehr Erfolg zu verhelfen.

 

Vergessen Sie nie, daß Ihr Kind im Grunde gerne nett, freundlich und kooperativ sein will, Sie müssen ihm nur hier und da behilflich sein. Sie werden viele Schritte oft wiederholen müssen, aber gleichzeitig werden Sie bemerken, wie die Entwicklung Ihres Kindes stetig Fortschritte macht.
Achten Sie aber bei allen Auseinandersetzungen darauf, daß der Spass nicht zu kurz kommt, und gönnen Sie sich und Ihrem Kind auch entspannte und schöne Zeiten.

 

Standfestigkeit:
Im Alter von 1 1/2 bis 2 Jahren verwandelt sich das süße, wenn auch anspruchsvolle Bündel von Baby in einen kleinen wildgewordenen Kriegspanzer auf 2 Beinen.
Eine ziemliche Umstellung für alle Eltern. Sie müssen ihrem Baby nun nicht mehr nur Zufriedenheit verschaffen, sondern es, wenn sie ihre Erziehungsaufgabe ernst nehmen, mit ihrer Standfestigkeit manchmal regelrecht unglücklich machen. Am Anfang kann sich dies einige Dutzend Male täglich abspielen, begrenzen Sie aber jede Situation auf wenige Minuten.

Sie brauchen eine Haltung, die nach außen unnachgiebig ist und Ihr Inneres doch entspannt sein läßt.
Geben Sie Ihrem Kind nie das Gefühl, dass es süß anzusehen ist, wenn es sich trotzig oder ungezogen verhält. Es wird Wochen dauern, bis solch ein Schaden wieder behoben ist.
senken Sie Ihre Stimme, setzen Sie eine ernste Miene auf, aber handeln Sie mit dem guten Gefühl, daß diese Lektion Ihrem Kind nur gut tun wird.

Sanfte Liebe öffnet die Seele der Kinder, standfeste Liebe verleiht ihnen Rückgrat, so daß sie der Welt, in der sie aufwachsen, kraftvoll und mit klarem Blick begegnen können.

 

Nachgeben um des lieben Friedens willen?
Kleinkinder haben ein Gedächtnis wie Elefanten!
Manchmal wollen wir es uns leicht machen. Aber Kinder ziehen daraus den Schluß, daß sie immer noch mehr fordern können, wenn sie nur lang und laut genug jammern und heulen.
Versetzen Sie sich in die Situation eines Zweijährigen. In seinem ersten Lebensjahr drehte sich alles um ihn. Was er wollte, bekam er. Nun haben seine Wünsche jedoch eine andere Dimension angenommen.
Es genügt nicht mehr, ihn zu füttern, zu knuddeln und seine Windeln zu wechseln; statt dessen will er den Hund in Ihre Seidenstrumpfhosen stecken, mit Shampoo und Schaumbad das Badezimmer in eine Rutschbahn verwandeln oder mitten im brausenden Straßenverkehr spielen. Schon um seiner selbst willen müssen sie ihm Einhalt gebieten.
Die Lektion aber, die ein Zweijähriger hierbei lernt, gehört zu den wichtigsten im Leben:
"Auch wenn wir dich herzlich lieben und annehmen, bist du dennoch Teil einer Gemeinschaft und mußt dich mit den anderen Menschen deiner Umgebung arrangieren.

 

Wieviel Disziplin kann man in welchem Alter von einem Kind erwarten?

Das Baby- und Kleinkindalter
Babys bereiten zwar viel Arbeit, sind aber nicht ungezogen. Sie tun ihre Bedürfnisse kund und brauchen nicht Disziplin, sondern Verständnis. Und die Eltern solch kleiner Kinder brauchen vor allem Schlaf.
Doch Babys entwickeln sich schnell und bald ist das ganze untere Drittel des Hauses nicht mehr sicher vor ihnen. Mit seinen neuen Fähigkeiten und seiner wachsenden Mobilität fängt das Kleinkind aber auch an, Dinge zu tun oder zu verlangen, denen Sie unmöglich nachgeben können. Und schon ist sie da, die "Ungezogenheit". Ein Baby ist nicht absichtlich ungezogen, bei einem Kleinkind verhält es sich jedoch oftmals ganz anders. Kleinkinder treffen immer ins Schwarze, finden immer Dinge, die Sie besonders aufregen, weil sie tief im Inneren gebremst werden wollen. Es ist eine unbewußte Botschaft, die lautet: "Ich brauche Grenzen, Mami und Papi, bitte bewahrt mich vor mir selbst!"
(Diese Botschaft kennen wir auch von Teenagern)
Allerdings ist es nicht immer nur reine Rebellion, oft sind Kleinkinder auch einfach mit den Dingen des täglichen Lebens überfordert. Sie sind hungrig oder müde, und das Beste, das man für sie tun kann, ist, ihnen etwas zu essen zu geben oder ihnen ein wenig Schlaf zu verordnen.
Verständnisvolle Eltern arbeiten mit allen Tricks, um ihren Knirps bei Laune zu halten.
Es gibt aber Situationen, in denen die Kinder ohne Wenn und Aber folgen müssen.
Im Kleinkindalter hat Standfeste Liebe Hochkonjunktur.

Vorschul- und Grundschulalter:
In diesem Alter werden Sie die Technik von "Stillstehen und Nachdenken" erheblich weniger einsetzen müssen, ihr Kind wird in den meisten Fällen gleich "das Problem lösen" wollen.
Hören Sie sich seine Sicht der Dinge an, lassen Sie sich erzählen, was es gerade vorhatte oder brauchte - oft genug haben Kinder gute Gründe für ihr Handeln.
Wenn Ihr Kind überzeugende Argumente hat, brauchen Sie auch nicht die "Oberhand" behalten.
Die Technik "Stillstehen und Nachdenken" wird nur noch dann nötig sein, wenn ein Kind besonders "gedankenlos" oder "stur" handelt. Versuchen Sie aber immer, die Beweggründe für sein Handeln herauszufinden, und seien Sie standfest, aber wohlwollend, damit Ihr Kind weiß, daß Sie helfen und nicht strafen wollen.

 

Teenager:
Entgegen einer weitverbreiteten Meinung sind Jugendliche wunderbare, kooperative Menschen mit interessanten und hörenswerten Ansichten. Aber sie benötigen immer noch viel Anteilnahme,
die sich auch schon einmal in einer Auseinandersetzung ausdrücken kann.
Aus "Stillstehen und nachdenken" wird "Zusammensitzen und reden".
In der Pubertät werden Teenager vergeßlich und wirr und scheint "neben sich zu stehen".
Sie testen ihre Grenzen, fordern Sie heraus und brauchen Sie als Reibungswiderstand.
Sie dürfen sie auf keinen Fall ignorieren. Zwar verlangen sie nun Unabhängigkeit, aber gleichzeitig müssen sie lernen, verantwortungsvoll und umsichtig zu handeln.
Hierbei ist Ihre Mitwirkung entscheidender als je zuvor, jedoch die Inhalte der "standfesten Liebe" sind andere und so auch die Methoden.

 

Weitere Methoden:

Belohnungen und das Erfahren von Konsequenzen:
Mit der Methode der Belohnung kann man versuchen, sein Kind in seinem positiven, also erwünschten Verhalten zu bestärken. Das Kind wird dieses Verhalten mit der Anerkennung in Verbindung bringen und sich in seinem zukünftigen Verhalten an dieser Erfahrung orientieren. Diese Methode ist in vielerlei Hinsicht effektiv, weil sie einerseits das Augenmerk der Eltern auf das Positive lenkt und andererseits dem Kind ein greifbares Ziel vor Augen führt.
Man kann auch zu guten Ergebnissen kommen, wenn man sein Kind in ein Netz von Belohnung und Pflicht einbindet, wenn man ihm also die Gelegenheit gibt, sich neben den häuslichen Aufgaben, die immer erledigt werden müssen, mit kleinen Extrajobs das Taschengeld aufzubessern. Dieser Weg ist so etwas wie ein Training für die reale Welt.
Ebenso wirkungsvoll kann es sein, wenn das Kind deutlich die praktischen Konsequenzen seines Fehlverhaltens zu spüren bekommt. Mit zunehmendem Alter lernen die Kinder, aus den Folgen ihres Handelns Schlüsse zu ziehen. Dabei ist es aber von großer Bedeutung, daß die Eltern das auch zulassen. Die Grenzen dieses Vorgehens liegen natürlich dort, wo das Kind gefährdet ist.

 

Timeout:
Mit "Timeouts" sind die Minuten gemeint, für die man ein Kind in sein Zimmer schickt, damit es sich wieder beruhigen kann.
Dieses Verfahren gibt auch den Eltern Gelegenheit, ihre Fassung zurückzugewinnen.
Doch aus pädagogischer Sicht kann das Kind dabei nichts lernen und wird auch nicht zum Nachdenken angeregt, also wird sich dadurch das Verhalten des Kindes nicht wesentlich ändern.
 

 

Älteren Kindern bei Gewissensentscheidungen helfen:
Ältere Kinder haben manchmal weniger mit Fragen der Disziplin als mit moralischen Problemen zu kämpfen. Ihnen liegt natürlich daran, daß Ihr Kind selbst die richtige Entscheidung trifft. Sie können Ihrem Kind nicht Ihre Werte verordnen, aber Sie können ihm helfen, alle Aspekte seines Verhaltens zu erfassen. Langfristig wird es dann auch ohne Ihre Hilfe in der Lage sein, richtig zu handeln, weil es selbst an diese Werte glaubt. Kinder und Teenager entscheiden nicht immer so, wie Sie es wünschen. Aber Fehler zu begehen gehört zum Lernprozess. Und -wir wollen es doch einmal nüchtern betrachten- besteht nicht auch die vage Möglichkeit, daß Sie selbst sich irren?

 

 

Lernen:

Lob und Tadel: 
Das Prinzip von Lob und Tadel ist das Prinzip von Herrschaft und Unterordnung.
Der Zu-Erziehende macht durch Lob und Tadel eine Erfahrung über sich als Person: die Freude über den Lernerfolg kippt um in die Freude über seinen persönlichen Wert. Es erfolgt dann leicht eine unerwünschte Motivfixierung auf Lohn und Strafe, von denen dieser Wert abhängt.

"Wenn ein Kind etwas richtig gemacht hat, dann ist es richtig und das Kind bekommt eine neue Aufgabe. Wenn das Kind etwas falsch gemacht hat, dann ist es falsch und das Kind bekommt die Möglichkeit, den Fehler zu begreifen. Richtig und falsch - beide Erfahrungen machen das Lernen spannend. Nicht umsonst heißt es "aus Fehlern kann man lernen". Wenn man "richtig" zu einer richtigen Lösung sagt und "falsch" zu einer falschen, dann ist das weder Lob noch Tadel. Erst wenn mit dem "richtig" oder "falsch" Konsequenzen verbunden werden, wie Bevorzugungen, Benachteiligungen, Angenommenwerden, Abgewiesenwerden usw. dann wird aus "richtig" die Vorstellung "ich bin gut" und aus "falsch" die Vorstellung "ich bin schlecht".

Das Prinzip von Lob und Tadel verhindert den Weg, Selbstbewußtsein zu erlangen. 
Wenn wir nicht mehr loben, dann hören wir auf, andere Menschen unseren Bedürfnissen und Maßstäben entsprechend zu beurteilen und zu manipulieren. Wir machen uns auf den Weg, sie zu verstehen und dabei lernen wir uns selbst zu verstehen. Wir müssen lernen, die Zu-Erziehenden anzuerkennen. Anerkennung ist die Überwindung von Lob und Tadel.

 

Der Dialog:
Selbst beim Schweigen kommt es darauf an, wie man schweigt. Jede Äußerung befreit oder unterdrückt, schafft Anerkennung oder Festlegung. Im Dialog sein bedeutet, mit größter Aufmerksamkeit aber ohne Einmischung den Gesprächspartner ernst zu nehmen, gewahr zu werden, was er aussagen will, und einsichtig zu sein. Einen Dialog zu führen muß gelernt werden. 

Still sein heißt noch nicht, zuhören zu können. Zuhören muss jeder lernen. Das Zuhören lernen wir nur von jemanden, der uns zuhört, nicht von jemanden, der zu uns sagt: "Sei still".

Der Vorwurf, dass die Zu-Erziehenden oft nicht bei der Sache sind, ist unbegründet. Sie sind immer bei einer Sache. Die Aufgabe der Erzieher ist es, dahinterzukommen, bei welcher Sache jemand ist, an was jemand vielleicht erinnert worden ist  und darauf eingehen.

Die Tätigkeitstheorie:
Jedes Kind kann lernen und sich entwickeln, wenn es mit jemandem lernt, der es erreicht.
Da Lernen kein linearer Prozeß ist, geht man von den Lernstufen aus, die aufeinander aufbauen, auf denen sich der Schüler gerade befindet und das Lehrangebot bringt den Lernenden auf die nächst höhere Entwicklungsstufe. Man beobachtet und versteht die Lösungswege, die der Schüler geht, um ihm nicht in erster Linie mitzuteilen, ob er richtig oder falsch liegt, sondern ihm zu erklären, warum er auf der richtigen oder falschen Spur ist. Der Schüler hat weniger Interesse, daß er Fehler gemacht hat, als vielmehr, warum er Fehler gemacht hat. 

Motivation in der Tätigkeitstheorie:
In der gemeinsamen Tätigkeit mit anderen Menschen wird dem Zu-Motivierenden zunehmend bewußt, was seine Tätigkeit für andere Menschen bedeutet und was andere Menschen für ihn bedeuten. 
Wenn die Tätigkeit, auch Denkarbeit, für die Menschen persönliche Befriedigung zur Folge hat, dann nimmt er diese und gleichzeitig sich selbst als sinnvoll wahr. So kann der Zu-Motivierende durch seine Tätigkeit Schöpfer seines persönlichen Sinns werden und ist dann motiviert.

Orientierung:
Wenn die Lernenden eine Vorstellung  von den einzelnen Etappen ihres Lernweges haben, können sie ihren Lernfortschritt daran messen und sehen, wie sie Schritt für Schritt dem Ziel näher kommen und sie werden auch die Schwierigkeiten besser verarbeiten, die zum Lernen dazugehören wie die Erfolge.

 

 

 

Ich beziehe mich natürlich auf vieles, was ich in meiner Ausbildung gelernt habe
(BakiPäd Wien, Kenyon und Ettenreich; Studium der Pädagogik/Sonder-und Heilpädagogik), 
aber auch auf einige Aspekte aus verschiedenster Literater:

 

Bibliographie:

"Das Geheimnis glücklicher Kinder"   (Steve Biddulph)

"Weitere Geheimnisse glücklicher Kinder"  (Steve Biddulph)

"Lernen können ja alle Leute" (Iris Mann)

 

Ein epochales Werk
"Emil oder Über die Erziehung" 
(Jean-Jacques Rousseau - ein möglicher Erziehungsroman)

 

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