Warum fühlen sich Katzen manchmal von Menschen angezogen, die keine Katzen mögen?
(nach Desmond Morris -"Catwatching")
 

Wenn eine Katze einen Raum betritt, in dem sich mehrere Leute miteinander unterhalten, kann es vorkommen, dass sie ausgerechnet auf den Menschen zugeht, der eine anormale Furcht vor Katzen hat. Zur Bestürzung dieses Menschen fängt die Katze nun an, sich an seinen oder ihren Beinen zu reiben, und springt dem Betreffenden vielleicht sogar auf den Schoß. Weshalb verhalten sich Katzen derartig pervers?

Für manche Leute ist dieses Verhalten eine Bestätigung des alten Vorurteils, dass es im Charakter der Katze etwas von Natur aus Böses gibt. Aber das ist eine ganz und gar unsinnige abergläubische Deutung. Es gibt eine viel einfachere Erklärung für dieses Verhalten.

Wenn eine Katze den Raum betritt und sich umschaut, bemerkt sie, dass verschiedene Leute sie anstarren. Das sind die Katzenfreunde, die ihren Blick auf die Katze richten, weil sie Gefallen an ihr finden. In

Der Terminologie der Katze aber bedeutet das Angestarrt-Werden eine zumindest schwache Bedrohung. Kindern bringt man manchmal bei, dass es "unhöflich ist, jemand anzustarren", aber Katzenfreunde vergessen diese Regel oft, wenn sie eine herannahende Katze anschauen. Anstatt nur einen Blick auf sie zu werfen, was immer akzeptabel ist, starren sie die Katze fortwährend in einer Weise an, die dazu führt, dass das Tier sich unbehaglich fühlt. Die einzige anwesende Person, die das nicht tut, ist der Katzenfeind, der fortschaut und sich ganz ruhig verhält, weil er versucht, die Aufmerksamkeit des gefürchteten Tieres nicht auf sich zu lenken. Aber ein solches Verhalten hat genau die entgegengesetzte Wirkung. Die Katze, die nach einem Schoß Ausschau hält, auf dem sie in Ruhe sitzen kann, geht schnurstracks auf diese Person zu, die sich nicht bewegt, die nicht mit der Hand winkt, die keine schrillen Bemerkungen macht und die, vor allem, sie nicht anstarrt. Die Katze zeigt damit deutlich ihre Vorliebe für eine zurückhaltende Körpersprache des Menschen.

Wer unter einer Katzenphobie leidet und sich die Tiere vom Leib halten möchte, erreicht dieses Ziel am besten, indem er sich gleich am Anfang der "Begegnung" zu der betreffenden Katze herabbeugt, sie mit weit geöffneten Augen unverwandt anstarrt und aufgeregte Bewegungen mit der Hand vollführt. Außerdem sollte er das Tier mit möglichst lauter Stimme auffordern, herzukommen und sich ihm auf den Schoß zu setzen. Das löst ganz bestimmt den entgegengesetzten Effekt aus, und der Betreffende kann sich entspannen, ohne das Lieblingstier des Gastgebers offensichtlich beleidigt zu haben.

 

 

Wie bringt eine Katze es fertig, auf alle 4 Pfoten zu fallen?
(nach Desmond Morris -"Catwatching")

 

Obwohl Katzen ausgezeichnete Kletterer sind, stürzen sie manchmal ab, doch wenn das geschieht, wird sofort ein spezieller Regulierungseffekt wirksam. Ohne ihn könnte eine Katze sich leicht das Genick brechen. Wenn sie rücklings fallen, beginnt ausgehend vom Kopfende des Körpers eine automatische Drehaktion. Der Kopf dreht sich zuerst herum, bis er zum Boden gerichtet ist, dann werden die Vorderbeine gedreht und nah ans Gesicht gezogen, um es vor dem Aufprall zu schützen. Als nächstes wird der obere Teil des Rückgrats gedreht, so dass die vordere Hälfte des Körpers mit dem Kopf eine Linie bildet. Schließlich werden die Hinterbeine angezogen, sodass jetzt alle vier Extremitäten bereit sind zur Landung, und währenddessen dreht die Katze gleichzeitig auch die hintere Hälfte ihres Körpers herum, um mit dem Vorderkörper gleichzuziehen. Kurz bevor sie dann den Boden berührt, spreizt sie alle vier Beine dem Boden entgegen und macht einen Buckel, um auf diese Weise die Heftigkeit des Aufpralls zu verringern. Während diese Körperdrehungen stattfinden, rotiert der versteifte Schwanz wie ein Propeller und dient als eine Art Balancierstange. All dies spielt sich im Bruchteil von Sekunden ab, nur bei Zeitlupenaufnahmen sind die schnell wechselnden Stadien des Regulierungseffekts wahrzunehmen.

 

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