Das ist Knuddel !

 

 

Knuddel ist der allerärmste Hund von der ganzen Welt, zumindest seiner Einschätzung nach.

Er wohnt mit Frauchen und Herrchen, Sabrina und Stefan in Zirngibelhausen.

Dort wohnen auch noch viele andere Leute, die ihr alle noch kennenlernen werdet.  

Und natürlich hat unser Knuddel auch viele Freunde -  menschliche und nicht-menschliche. 

Also dann:  Viel Spass mit Knuddel und seinen Freunden !


 

Gisela Zimber

"Knuddelgeschichten"  
(erzählt von Norbert Scheumann)

 

Leseprobe:   "Knuddel und die Knoblauchwurst"

 

Genau 2 Wochen vor Ostern war es, als Knuddel instinktiv überzeugt war, daß das Christkind bald kommen würde. Untrügliche Anzeichen gab es: Sein Frauchen war ganz arg nervös und begann jeden 2. Satz mit den Worten: "Ich werde noch wahnsinnig!" Wahnsinn und Weihnachten,  weiß Knuddel aus Erfahrung, hängen bei seinem Frauchen irgendwie voneinander ab. Und als hellen Wahnsinn bezeichnete auch Sabrina das, was Frauchen an jenem, für Knuddel so ereignisreichen, Tag tat. Ganz früh am Morgen, wo man keinen Hund aus dem warmen Körbchen jagt, jagte sie Tochter und Herrchen aus den Betten. Herrchen knurrte: "So ein Chaos veranstalten! Möchte nur wissen, für was? Ist ja doch nur für die Katz´!" "Nicht für die Katz´, Vati", lachte Sabrina, "sondern für den Osterhasen!" 
Katz, Katz, Katze!!??  Knuddel kratzte sich kurz hinterm linken Ohr. Kam ihm alles nicht so ganz geheuer vor. Aber ehe er weiter nachdenken konnte, begann Frauchen schon sehr ernst mit ihm zu reden: "Es ist dann nicht für die Katz´, mein lieber Knuddel, wenn du dir endlich dein dummes "Immer-an-der-Wand-lang" abgewöhnst! Wenn es mich juckt, kann ich mich schließlich auch nicht einfach an der Tapete abschrubben! Das hört auf, Knuddel!"
Tieftraurig schaute Knuddel sein Frauchen mit seinem zu Herzen gehenden "Was-hab-ich-denn-jetzt-schon-wieder-falsch-gemacht-Blick" an. Er will doch immer alles recht machen! Aber ein bißchen empört hat es ihn an jenem Morgen denn doch, daß ihm Frauchen erstens keine Antwort gab, sondern ihm 2. auch noch abrupt das Körbchen unterm Schwanz weggezogen hat. Flugspfotenschnell wollte er hinter ihr und seinem Körbchen her. Ging aber nicht wie sonst, weil er wie auf Glatteis oder Herbstlaub durch den Flur schlitterte. "Paß auf, Knuddel, glaubst du denn, daß ich das Zeitungspapier für die Katz´auf den Teppichboden gelegt habe?"
Schon wieder dieses "Für die Katz´!" Knuddel sah sich im Geiste von hunderten von Katzen umgeben. Waren aber nur Sessel und Stühle, hinter die Frauchen nun endlich sein Körbchen stellte. Mitten im Schlafzimmer. "Hier bleibst du heute! Tut mir leid, Knuddel, es muß sein!" Kein Mensch erklärte dem armen Hund, warum was sein muß! Nur Herrchen sagte weiter was von total chaotischen Zuständen, und daß doch alles für die Katz´wäre. Und schließlich an der Haustür zu Knuddel: "Tschüs, mach´s gut. Bis heute abend! Und paß mir schön auf Frauchen auf!"  
Leicht getröstet  versuchte Knuddel, es sich am ungewohnten Platz in seinem Körbchen gemütlich zu machen. Einfach zu schlafen, und von vielen lieben, netten, nichtfauchenden Katzen zu träumen. Weil er ja nichts gegen Katzen hat im Prinzip. Nur dann, wenn die was gegen ihn haben. Außerdem hat er ja auch so etwas wie Stolz, Charakter. Wenn man ihn nicht will, bitte. Beleidigt und frustriert preßte er seine Schnauze ganz tief ins Kissen, um endlich nichts mehr von der Welt und seinem Frauchen zu sehen und zu hören. Schlafen, schlafen, nur schlafen wollte er.
Aber auch der beste, arme Hund kann nicht schlafen, wenn es an der Haustüre klingelt. Dreimal sogar! Da waren Stimmen, die Knuddel noch nie in seinem Leben vernommen hatte. Knuddel ist nicht nur stolz und schnell beleidigt, sondern auch sehr neugierig. Mit einem Satz war er raus aus seinem Körbchen und raste bzw. rutschte auf dem albernen Zeitungspapier zur Tür. Bestimmt hat er gemeint, daß endlich die Katze kommt, für die alles ist!  War aber keine Katze. Zwei Männer waren es, ganz in weiß!
Und weil die 2 ihm völlig fremden Männer einfach so in die Wohnung marschierten, versperrte er den beiden laut bellend den Weg. "Ihren Kläffer da müssen Sie aber wegtun, den können wir beim Schaffen nicht brauchen!", sagte der eine zu Frauchen. Sein Ton mißfiel Knuddel sehr, und noch mehr das Wort "Kläffer". Klingt wie "Köter". Und Menschen, die Köter sagen, die mag Knuddel nicht. Aber der andere weiße Mensch schaute ihn freundlich an. Knuddel schwanzwedelte freundlich zurück, verspürte bereits eine leichte Zuneigung. Zum intensiven Beschnuppern kam es nicht, weil Frauchen ihn am Halsband packte: "Reg´dich nicht auf, Knuddel, das sind nur die Maler! Eh´der Osterhase kommt, lassen viele Leute ihre Wohnung neu streichen. Muß auch mal sein!" Und dann zerrte sie ihn über´s knisternde Zeitungspapier zurück ins Schlafzimmer. Im Körbchen knurrte Knuddel noch ein bißchen. Weil es keinen kümmerte, überließ er sich dann wieder mal seinem großen Kummer, der allerärmste Hund auf der ganzen Welt zu sein, seufzte mehrmals und wollte schlafen, einfach schlafen. Aber wie soll ein armer Hund schlafen können, wenn es draußen rumort. Es macht nun mal viel Lärm, wenn die Maler ihre Leiter aufstellen, Eimer auf den Boden knallen, Tisch und Stühle herumschieben. Hatte Herrchen nicht gesagt: "Knuddel, paß schön auf Frauchen auf?!" Soll er Frauchen schutzlos mit zwei fremden Männern allein lassen? Das kann man von einem guten Hund nicht verlangen! Mit einem Satz war er raus aus dem Körbchen und schlitterte auf dem Zeitungspapier wieder in die Küche. Bellend, natürlich! "Jetzt ist doch der Kläffer schon wieder da, so kann man doch nicht schaffen!" Knuddel konnte sich für das Wort "Kläffer" nicht revanchieren. Der es gesagt hatte, der ihm instinktiv unsympathische, befand sich nämlich unerreichbar hoch oben auf einer Leiter. Aber der andere, der nette und freundliche, der lachte: "Nix böser Hund, Meister, nix böse. Gut, weil Angst haben!" Leider konnte Knuddel ihm nur seinen gekonnten "Dich-mag-ich.Blick" schenken, weil Frauchen nach ihm rief. Im Wohnzimmer stand sie. Vor einem dicken Berg Wäsche. Knuddel überschaute die Situation sofort. Weil er Frauchen immer hilft, die Wäsche zur Waschmaschine zu tragen, und weil sie ihn dann immer ganz lieb streichelt: "Ach, wie würde ich die ganze Arbeit nur schaffen, wenn ich nicht so einen guten Hund hätte, der mir so fein hilft!" Ist übrigens ganz ehrlich gemeint von Frauchen. Meistens verliert sie einen von Herrchens Socken. Und den trägt der Knuddel dann treu hinterher. Herrchen würde sonst noch viel öfter in der Kommode den 2. Socken nicht finden, wenn der Knuddel nicht so achtsam wäre. Aber an jenem Tage ging es leider schief, weil Knuddel den Unterschied zwischen einem Socken und einer 12 Meter langen Tüllgardine noch nicht kannte. Mit allen vier Pfoten hat er sich in den vielen Löchern verheddert. Schlimm war es für ihn. Überhaupt nicht verstehen konnte er, daß Frauchen dazu auch noch zeterte: "Knuddel, ich werde wahnsinnig, du zerreißt mir die ganzen Vorhänge!" Bitte, da will man helfen! Und dann so was! Zutiefst in seinem sehr sensiblen Hundegemüt getroffen, wollte Knuddel nichts als... Er wollte wirklich nur kurz dem netten Maler zeigen, dass er ihn ganz arg mag. Aber dann hat der nicht-nette Mensch - hoch oben auf der Leiter, ob Zufall oder Absicht, wer weiß sowas schon, die farbtriefende Malerbürste so derb gegen die Decke geklatscht, daß sich ein weißer Wolkenbruch über Knuddel ergoß. Dass er dann erschrocken zurückwich, zwei Farbeimer umstieß, waren unvermeidliche Konsequenzen. Ockergelbes für den Flur und azurblaues für das Bad flossen ineinander. Knuddel hatte große Mühe, der gemischtfarbenen Mini-Sintflut zu entkommen. Mit zwei ockergelben und zwei azurblauen Pfoten. Bauch, Schwanz und Ohren überzogen sich mit zartem Grün.
Den ihm geltenden Flüchen entzog sich der arme Knuddel durch die, zum Glück offene Terrassentür in den Garten. Er wollte sich vom Schreck erholen, sauber lecken. Knapp vor den Tulpen streckte er sich längs und ganz arg traurig im Gefühl, der allerärmste Hund von der ganzen Welt zu sein, den kein Mensch versteht! Genau drei Minuten hat es gedauert, dann hörte Knuddel eine Stimme, die ganz anders klang, als die gewohnte seines Herrchens: "Du Hund! Ich Türke! Du armes Schwein! Ich armes Schwein." Der nette Maler war es. Knuddel verstand sofort, was der meinte: Minderheiten müssen zusammenhalten! Instinktiv solidaritätsbereit näherte sich Knuddel dem Menschen, der in der einen Hand ein Messer hielt! In der anderen aber eine Wurst. Völlig problemlos verlief die weitere Kommunikation. "Ich Wurst! Du Wurst! Ich Wurst! Du Wurst!" Da gab es überhaupt keine verbalen Verständigungsschwierigkeiten. Knuddel verstand jedes Wort. Weil er "Wurst" immer versteht. Schwer zu kauen hatte er zwar! Die Wurst, die ihm sein neuer Freund freundlich in die Schnauze schob, schmeckte auch nicht wie Kalbsleberwurst! Eher wie Salami, bloß noch viel, viel würziger. Aber Wurst ist Wurst! Und guter Mensch ist guter Mensch! Ob türkisch oder mit Knoblauch, das ist dem Knuddel wurscht. Weil er nämlich einen ganz gesunden, sozialen Instinkt hat. Einen spontanen, unverbildeten. Spontan wedelte er deswegen auch freundlich mit dem Schwanz, als sein neuer Freund auf sein Frauchen einredete: "Hund gut, Mensch gut! Urlaub! Ferien! Hund kommen! Familie kommen! Ich Türke! Türkei sehr schön! Er eingeladen! Familie auch!" Knuddel war glücklich, weil er instinktiv spürte, daß sein Frauchen sich freut. Die freut sich immer, wenn man den armen Knuddel versteht. Knuddel hatte überhaupt keine Zeit zum Nachdenken, weil nämlich Herrchen und Sabrina heimkamen und spontan riefen: "Mensch, unser Knuddel ist ja jetzt ein bunter Hund! Man merkt, die Maler waren da! Aber warum stinkt der Knuddel denn so entsetzlich nach Knoblauch?" Spontan wichen alle vor dem Knuddel zurück. Da verstand der arme Hund natürlich wieder mal die ganze Welt nicht mehr! Er wollte doch freudig bellend allen erzählen, daß er einen ganz prima neuen Freund gefunden hat! Frauchen übersetzte: "Also es ist so, daß wir nicht in den Ferien nach Finnland können, weil der Knuddel nämlich in die Türkei eingeladen wurde! Und allein können wir ihn schließlich nicht reisen lassen. Aber helft mir jetzt endlich beim Aufräumen! Die Maler sind fort und der Osterhase kommt bald!
Knuddel schaute stolz alle an und war bitter enttäuscht, weil mal wieder keiner Zeit für ihn hatte. Doch dann fand der nicht nur für ihn ereignisreiche Tag noch einen fast wundersamen Abschluß: An der Tür hat es geklingelt. Und eine für Knuddel gut und nach feiner Wurst klingende Stimme sagte: "Ich haben Zeit! Ich Feierabend, geh mit gutem Hund spazieren! Regen gut, weil Wasser weg Farbe!"  Ein bißchen hat die Familie natürlich doch überlegt, ob man den guten Hund einfach mit einem wildfremden Türken spazieren gehen lassen könnte. Aber Knuddel war Feuer und Flamme! Ehe Herrchen noch was sagen konnte, war er schon von einem Redeschwall übergossen und hauchte schwach: "Vielleicht sollten wir wirklich mal unseren Urlaub in der Türkei machen!" Knuddel schaute sein Herrchen strahlend an und dolmetschte schwanzwedelnd: "Wenn der mich mag, mag er euch auch! Weil ihr nämlich auch keine Kläffer und Köter seid!"   Eine herbe, kleine Enttäuschung blieb dem Knuddel am Abend jenes schönen Tages aber dann doch nicht erspart: Er durfte nicht wie gewohnt auf dem Teppich vor Herrchens Bett schlafen. Instinktiv ahnte er, daß das irgendwie mit der Türkei zusammenhängen mußte! Weil Frauchen ihn so sanft getröstet hat: "Wenn wir dort Urlaub machen, Knuddel, können wir dich wieder riechen. Da essen wir nämlich alle Knoblauch!"

 

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