Ministrantin

Viele Jahre lang war ich Ministrantin, die meiste Zeit davon unter
Monsignore Prof. Dr. Karl Kulhanek, der langjährige Pfarrer der Gemeinde Hautzendorf.

Er war ein zuvorkommender Mensch und sehr bemühter Pfarrer und war in manchen Bereichen sehr fortschrittlich, hielt jedoch mehrheitlich an der alten Liturgie fest.

Er stammte aus der damaligen Tschechoslowakei (Böhmen) und feierte sein
40. Priesterjubiläum in Hautzendorf.

Er hatte nach einem Schlaganfall eine schwer verständliche Aussprache und verstarb
 leider im April 1994 im Alter von 69.Jahren nach einem Herzinfarkt.

 Herr Prof. Kulhanek war ein langjähriger Freund Kardinal Königs,
der mich auch in der Wallfahrtskirche am "Hl. Berg" gefirmt hat.

 

Einige Zeit war ich "Oberministrantin".
 

Einige Pflichten:

 - Abhalten von Ministrantenstunden (wo die Neuen eingeführt wurden und geübt werden konnte)
 - Einteilen, wer welchen Part in der Messe übernehmen soll (Glocke, Buch, Kelch und Tuch oder absammeln gehen
   und Läuten der großen Glocke bei der Wandlung; Orgeltreten in der Wallfahrtskirche)
 - Wissen über Besonderheiten für das Ministrieren bei Hochzeiten und Begräbnissen oder an besonderen Feiertagen
 - Gewisse Buchhaltungs- und repräsentative Tätigkeiten
 - Organisation von Ministrantenausflügen und Teilnahme an einer Ministrantenralley
 - Einteilung und Einschulung der Sternsinger (+ Organisation des Mittagessens) und der Ratscher-Gruppen
 - Lesen des "Kreuzweges" zu Ostern und so mancher Lesung
 

Mein Amt habe ich am 1. Mai 1993 zurückgelegt und meiner Stellvertreterin übergeben.


 

 

 

Hl. 3 Könige:
Es war immer sehr spannend zu sehen, wie die anderen Leute so leben.
Man konnte die Christbäume bewundern und durfte sie eventuell sogar "abräumen".
Auch wurde so manche Wette abgeschlossen, wie weit die jeweiligen Leute uns in ihre Wohnung lassen würden.
Wichtig war das Anschreiben des Haussegens "19 - C + M + B - 93"
("Christus Mansionem Benedicat" > "Christus segne dieses Haus" und die jeweilige Jahreszahl)
mit geweihter Kreide und die Säckchen mit Weihrauch, der das Böse abhalten soll.


Unterwegs waren meistens 2 Gruppen. (Ober- und Unterort)
Im Laufe der Jahre habe ich jeden Part mindestens einmal vertreten:

EINIGE BEISPIELHAFTE VERSE:

Ich bin der
Stern und geh´ voran und führe die Hl. 3 Könige an.
Muss ihnen die rechte Strasse künden, damit sie den Weg zum Christkind finden.

König Kaspar bin ich genannt, mein Reich liegt fern im Perserland.
Zum Glück traf ich die beiden andern, so konnten wir gemeinsam wandern.

Ich bin der König Balthasar, bin unterwegs nun fast ein Jahr.
Ich bin daheim am fernen Meer, mein Weg war mühsam, hart und schwer.

Auch ich stell mich geziemet vor, ich heiße König Melchior.
Am Kongostrom steht mein Palast, wie tut mir gut die kurze Rast.

Kassa:
Mensch geworden ist Gottes Liebe auf Erden, durch Euch kann die Botschaft verwirklicht werden.
So bitten wir um Eure Gaben, für andere Menschen, die weniger haben.

Lied:  Es ziehn aus weiter Ferne
Es ziehn aus weiter Ferne drei Könige einher. Sie kamen von drei Bergen und fuhren über's Meer.
Unzählig sind die Scharen, geschmückt ist das Geleit. Die Sporen glänzen helle im Sonnenlichte weit.
Ein Kind liegt in der Krippe gar lieblich und fein, das schönste Kind auf Erden im hellen Lichterschein.
 

Viel Glück und Segen im Neuen Jahr
von KASPAR - MELCHIOR - und BALTHASAR!

 

 

 

Ratschen 

Es gab im Dorf noch keine Straßennamen - wir begannen im Oberort alle gemeinsam, teilten uns bei der Brücke über den Bach auf drei Gruppen auf, um uns im Unterort wieder zu treffen.
Die 3 Möglichkeiten waren "Hauptstraße", "Hintaus" und "Au".

Die Au, in der Nacht ziemlich "entrisch", führte am Friedhof vorbei und hauptsächlich am Bachufer entlang;
die Option "Hintaus" bot ebenfalls viele dunkle Verstecke, lediglich die Hauptstrasse war gut beleuchtet.
Oft waren irgendwelche, natürlich total unbekannte Gestalten unterwegs, um die Ratscher zu "erschrecken",
was die Sache natürlich sehr spannend machte.

Die Ratschgesänge

Am Gründonnerstag nach der Messe (in der die Glocken "nach Rom fliegen")
"Wir ratschen, wir ratschen das Ave-Maria."

Karfreitag um 6:00: 
"Wir ratschen, wir ratschen das Ave-Maria."
Karfreitag um 12:00: "Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß den jeder katholische Christ beten muss.
                                  Drum fallet nieder auf Eure Knie, betet drei Vater Unser und drei Ave Marie!"
 
Karfreitag um 15:00: 
"Wir ratschen, wir ratschen die Todesstund´ Christie."
Karfreitag vor der Messe: "Wir ratschen, wir ratschen, zuerst / zusammen in die Kirche."
Karfreitag nach der Messe: "Wir ratschen, wir ratschen das Ave-Maria."  

Karsamstag um 6:00:  "Wir ratschen, wir ratschen das Ave-Maria."  
Karsamstag um 12:00: "Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß den jeder katholische Christ beten muss.
                                   Drum fallet nieder auf Eure Knie, betet drei Vater Unser und drei Ave Marie!"

Karsamstag um 15:00:
absammeln gehen - "Die Ratschenbuben und -mädchen bitten um eine Spende"
Karsamstag vor der Messe (in der die Glocken wieder zurückkommen)
"Wir ratschen, wir ratschen des letzte Mal z´amm, die Glocken kommen wieder von Rom,
die Ratschenbuam gehen jetzt in Pension und danken für den schönen Lohn."
(Zu singen natürlich im ortsüblichen Dialekt; heutzutage muss man wahrscheinlich schon "Buam und Madln" singen :-)

 


Zu Beginn hatte ich eine Schubkarrenratsche, später eine Handratsche (wie Bild oben)

 

ES WAR EINE SCHÖNE ZEIT DAMALS!

 

zurück