Pu, der Bär
(A.A.Milne)
Pu und die Sonnenzeichen in der Astrologie
(aus John Tyerman
Williams. "Die Prophezeiungen des Pudradamus")
Die Astrologen sind der einhelligen Meinung, dass die Sonnenzeichen ungeheuer wichtige Indikatoren für unsere Persönlichkeit sind.
Milne, seinen wahrhaft aufmerksamen und scharfsinnigen Lesern wie immer behilflich, hat etwa zu Beginn des 4. Kapitels von „Pu baut ein Haus“ die Sonne und Pu zusammengebracht. Für den Fall, dass uns die astrologische Bedeutung dieser Tatsache entgehen sollte, zeigt E.H. Shepard uns direkt über der Erwähnung der Sonne im Text, wie Pu auf einem Stein in der Mitte eines Baches sitzt, sich in der Sonne wärmt und ganz offensichtlich den Himmel betrachtet. Um keinen Zweifel an der Bedeutung aufkommen zu lassen, hat Shepard in Pus Blickrichtung eine Libelle platziert, wobei in diesem Zusammenhang deren englischer Name ausschlaggebend ist: dragonfly! Dragon, also der Drache, ist eine unmissverständliche Anspielung auf das Sternbild „Drache“, das dem Großen Bären am nördlichen Himmel am nächsten steht.
Dank dieses Wissens wird uns nun klar, was wir zuvor vielleicht übersehen haben: dass es nämlich eine eindeutig astrologische Bedeutung hat, wenn Pu im ersten Kapitel von „Pu, der Bär“ auf einen Baum klettert und anschließend auf der Suche nach Honig mit einem Ballon aufsteigt. Diese Episode muß hier nicht im Einzelnen wiedergegeben werden. Doch sollten wir auf keinen Fall vergessen, dass Honig im Zusammenhang mit den Mysterien häufig Wahrheit symbolisiert. Des weiteren sollten wir bedenken, dass der Baum, den Pu besteigt, in astrologischer Hinsicht für das Observatorium des Astrologen steht. Demzufolge sucht er nach der Wahrheit, indem er zu den himmlischen Regionen aufsteigt.
Als ein Ast bricht und er zu Boden fällt,
stellt er fest: „Es kommt alles daher, dass man Honig so sehr schätzt!“
Damit akzeptiert er, dass seine astrologische Suche nach dem Honig der Wahrheit
schwierig und gefährlich ist. Unbeirrt unternimmt er einen neuen Anlauf,
diesmal mit Hilfe eines Ballons, den er sich von dem hilfsbereiten, aber verständnislosen
Christopher Robin ausleiht. Erneut scheint Pu zu scheitern. Er verkündet, dass
die Bienen die falsche Sorte Bienen sind: ein Urteil, das dadurch bestätigt
wird, dass er von einer gestochen wird. Schließlich bittet er Christopher
Robin, den Ballon abzuschießen, um ihn auf die Erde zurückzuholen.
Diese kurze Episode veranschaulicht nicht nur die Gefahren der astrologischen
Forschung, sondern auch das Bedürfnis, auf festen Boden zurückzukehren. Wer
das einmal verstanden hat, wird nie wieder dem absurden, aber weitverbreiteten
Irrtum anheimfallen, Winnie-den-Pu für einen dummen, kleinen Bären zu halten,
den aus reiner Gefräßigkeit ein böses Missgeschick unterläuft, der sich
daraufhin aus dem gleichen Grunde einen absurden Plan ausdenkt und schließlich
scheitert. Nein, am Ende wird die Erkenntnis stehen, dass selbst der
leidenschaftlichste Astrologe sich nicht so sehr in die Betrachtung des Himmels
versenken darf, dass er nicht mehr sicher zur Erde zurückfindet. Das ist die
Lehre, die Pu uns so überzeugend vor Augen führt. Außerdem erkennen wir, und
das nicht zum letzten Mal, seine Bereitschaft, um unseret-, seiner Schüler
willen, die eigene Sicherheit und Würde aufs Spiel zu setzen.
Da wir weder den genauen Zeitpunkt noch das Datum von Pus Geburt kennen, können wir weder sein Sonnenzeichen ermitteln, noch sein Horoskop erstellen. Genausowenig wissen wir über seine Freunde. Also ist es uns unmöglich, von deren Sonnenzeichen auf ihren Charakter zu schließen. Allerdings lassen sich möglicherweise Rückschlüsse von ihrem Charakter auf ihre Sonnenzeichen ziehen. Dieses Verfahren kann uns natürlich nur ein einfaches Bild vermitteln, aber es ist den Versuch wert und Sie werden überrascht sein, wie gut einige der Figuren charakterlich zu ihren Sternzeichen passen.
3.
I-AH:
Die Beschäftigung mit dem
Einfluss der Planetenkonstellation bescherte plötzlich eine Lösung des
Problems,
I- Ah einem Sonnenzeichen zuzuordnen.
Daß Saturn eine starke Wirkung
ausübte, war naheliegend, doch erst, als Saturn in Jungfrau (24. August -
22.September) zu Rate gezogen wurde, wurde die Antwort gefunden.
Großer Ernst, der sich bis zu
Bedrücktheit und Pessimismus steigern kann, sowie mangelndes Selbstvertrauen
sind typisch für diese Kombination: diese Eigenschaften weisen eindeutig auf I-AH
hin.
Die weitere Erforschung des typischen Jungfrau-Charakters führte zwar zu
einer nicht ganz so eingängigen Übereinstimmung wie bei Tieger oder Kaninchen,
aber alles in allem sah man sich hinreichend bestätigt.
Obwohl I-AH der
Inbegriff des Lasttieres ist, können wir wohl kaum sagen, daß I-AH der geborene
Diener ist oder jemand, der für andere da ist, wie man es einem
Jungfrau-Geborenen gemeinhin nachsagt.
Aber er ist ein Einzelgänger, er ist
analytisch. (Es sei daran erinnert, dass er, als wir ihm zum ersten Mal
begegnen, laut über alles nachdenkt und sich solche Fragen stellt, wie "Warum?"
und "Wozu?" und "Inwiefern?".)
Er ist äußerst kritisch und hin und wieder
pedantisch, wie beispielsweise beim Aufbruch zur Nordpolexpotition.
Er ist
bereit, das Schlußlicht der Expotition zu bilden.
"Aber wenn ich jedesmal, wenn
ich mich für eine kurze Verschnaufpause hinsetzen möchte, zuerst ein halbes
Dutzend von Kaninchens kleineren Bekannten und Verwandten abbürsten muss, dann
ist das in meinen Augen keine Expo- also das, was es ist - mehr, sondern ganz
einfach heillose Verwirrung, noch dazu mit Lärm verbunden."
Das ist typisch für
die Jungfrau, erst recht, wenn der Einfluß von Saturn stark ist.
Pus geflügelte Worte: - Wörterbuch
"Inwiefern",
Interrogativverb, das keine Antwort erwartet, sondern zum Nachdenken anregen
soll : ein philosophischer Begriff, der ähnlich wie "wie" gebraucht wird,
aber prononcierter ist. Wenn ein Tier beispielsweise fragt, wie man sein
Leben leben soll, bezieht sich Inwiefern auf die Spezifikation des Wie .
Mit anderen Worten: Sollte man für Disteln leben (d.h., ist das Streben nach
Disteln die angemessene Daseinsberechtigung?), und falls ja, inwiefern,
und was für eine Sorte Disteln?
"I-AH stand allein in einem distelbewachsenen Winkel des Waldes, die Vorderbeine gespreizt, den Kopf auf eine Seite gelegt, und dachte über alles nach. Manchmal dachte er traurig bei sich: Warum?, und manchmal dachte er: Wozu?, und manchmal dachte er : Inwiefern?, und manchmal wusste er nicht so recht, worüber er nachdachte."
Wie: ein philosophischer Begriff, entwickelt von I-AH), der die existenzielle Realität jener Tiere auf den Punkt bringt, die über das Mysterium des Lebens nachgegrübelt und die Vorstellung akzeptiert haben, dass "Existenz ist", die allerdings die Frage "Wie soll ich wahrhaft existieren?" problematisch finden. Oder so ähnlich.
"Und wie geht es dir?", sagte
Winnie-der-Pu. I-AH schüttelte den Kopf Von einer Seite zur anderen. "Nicht sehr
wie", sagte er. "Mir scheint es schon seit längerer Zeit überhaupt nicht mehr
gegangen zu sein."
"Meine Güte", sagte Pu, "das tut mir aber leid."
Verwirrung, heillose, noch dazu mit Lärm verbunden, Terminus technicus: was in der Regel entsteht, wenn man wohlmeinend ein Ereignis für alle anderen organisiert, insbesondere für diejenigen, die eigentlich gar kein Ereignis wollten.
"Ich kann nur sagen", sagte I-AH, "dass dies beunruhigend ist. Ich wollte gar nicht mitkommen auf diese Expo- was Pu gesagt hat. Ich bin nur gekommen, um gefällig zu sein. Aber jetzt bin ich da, und wenn ich das Ende der Expo- wovon wir gerade reden - sein soll, dann lasst mich auch das Ende sein . Aber wenn ich jedesmal, wenn ich mich für eine kurze Verschnaufpause hinsetzen möchte, zuerst ein halbes Dutzend von Kaninchens kleineren Bekannten- und- Verwandten abbürsten muss, dann ist das in meinen Augen keine Expo- also das, was es ist - mehr, sondern ganz einfach heillose Verwirrung, noch dazu mit Lärm verbunden."
Expo, die: Nuschelwort: eine Expedition, aber eine, die man nicht aussprechen kann (und an der man deshalb nicht teilnehmen will).
Expedition, die : eine lange Reise von denjenigen, die nicht unbedingt sicher sind, ob sie in ihr sein sollten, aber sich ihr dennoch anschließen, um herauszufinden, ob sie dahin führt, wo sie hinwollen.
Expotition, die: alternative Aussprache von Expedition, meint aber genau genommen eher eine lange Reihe von Leuten in einem Boot in der Regel auf Entdeckungsreisen, auf denen, wie alle Betroffenen hoffen, nichts Wildes entdeckt wird. Selten benutzter Begriff.
"Ach, Ferkel", sagte Pu aufgeregt, "wir gehen auf eine Expotition, wir alle, mit Sachen zum Essen. Um etwas zu entdecken." "Um was zu entdecken?", fragte Ferkel besorgt.
Jedes Monat ein neues Sternzeichen
von Pu und seinen Freunden,
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