Über unsere Sprache

Schöne Worte:
Existenzmonotonie, ehrfurchtgebietend,
Formulierungskünstler, Selbstaktualisierungstendenz, Kreisquadratur, Eierschalensollbruchstellenzertrümmerer,
vielseitige Gedankenwelt, "Fadfinder", unverwüstlich, impertinent, Assoziationen, Eigenverantwortlichkeit, Sozialkompetenz,
bizarr, Selbst-Aufgabe, irritierend und verwirrend, imaginär, existentiell, fiktiv,
"wucki", Assoziation, Schönbrumm, Pseudo-Parkplatz, Existenzminimalismus (co
Katharina), charmant, betörend, Unverfrorenheit,
Aluminiumminimumimmunität, knauern, drückig, Brombeergebusch,
Informationsvorsprung,
Schwanzverlängerungauto,
Schöne Phrasen:
Alltäglicher frühmorgendlicher
Wahnsinn, Existenzmonotonie (Vermeidung derer)
Frivol, verschmitzt
Wortschöpfung: su(s)i generis
Kleine
Nachhilfe in Wienerisch:
(nur typische Begriffe, und
hauptsächlich die, die diese Sprache so liebenswert machen)
| Aufpudeln, sich: | sich entrüsten; sich wichtig machen |
| Betroppezt: | bestürzt, sprachlos, sich schämend |
| Coloniakübel: | Abfalltonne der städtischen Müllabfuhr |
| Deckel: | Hut; Führerschein (D. abgeben) |
| Einfahren: | scheitern; e. lassen: jemand über eine für ihn nachteilige Situation wissentlich nicht aufklären |
| Fuzerl: | sehr kleines Teilchen |
| Genierer: | Zurückhaltung, Schamgefühl (meist wird die Abwesenheit desselben beklagt) |
| Häckeln: | aufziehen, sekkieren |
| I: | bezeichnet das Ego in der kürzesten, penetrantesten Form |
| Justament: | erst recht, jetzt gerade |
| Kudern: | kichern, belustigendes Geschwätz |
| Letschert: | weich, schmierig, gatschig |
| Masel: | Glück, mehr als Verstand |
| Nackerbatzl: | nacktes Kind |
| Öha: | Ausruf des Erstaunens; Hoppla, unbefriedigender Ausdruck der Entschuldigung (z.B. beim Anstoßen an jemanden) |
| Patschert: | ungeschickt, linkisch |
| Quargeln: | schwätzen, blöd daherreden |
| Rappel: | Irrsinn; einen R. kriegen: durchdrehen, einen Anfall bekommen |
| Schnoferl: | Schnute, beleidigter Gesichtsausdruck |
| Tramhapert: | verschlafen, geistesabwesend |
| Urassen: | verschwenden, zu wählerisch essen |
| Verzupfen, sich: | davonmachen, weggehen |
| Wurlert: | kribbelig, aufgedreht |
| XYZwutschkerl: | sehr kleines Wesen |
Warum ist "deutsch" so schwer?
Sehr komplizierte
Grammatik; Worte und Phrasen, die verschiedenes bedeuten können;
durch Groß- und Kleinschreibung kann sich auch einiges ändern; man kann manche
Unterschiede nicht hören; auch Vor- und Nachsilben sind tückisch; ...
(diese Liste ist beliebig fortzusetzen)
dieser, diese, dieses:
|
MÄNNLICH |
WEIBLICH | SÄCHLICH | |
| NOMINATIV | dieser Mann | diese Frau | dieses Jahr |
| GENITIV | dieses Mannes | dieser Frau | dieses Jahres |
| DATIV | diesem Mann(e) | dieser Frau | diesem Jahr(e) |
| AKKUSATIV | diesen Mann | diese Frau | dieses Jahr |
Wortspielereien:
ÖSTERREICHISCHE DOPPELDEUTIGKEITSWÖRTER:
geschickt (Brief oder Fähigkeit?)
passiert (Geschehen oder Nahrungsmittel?)
vertreten (Standpunkt oder Füße?)
Disziplin (Gegenstand oder Verhalten)
wischen (vorbei, auf oder ab)
verrückt (Wahnsinn oder Möbel)
übergeben (etwas oder sich)
abgebrochen (Ast oder Spiel)
verlaufen (im Wald oder die Schminke)
+VOR- ODER NACHSILBEN:
(Mehrdeutigkeit)
(be)haglich (gemütlich oder heikel)
be- ver- getraut (beauftragt,
bekannt, verheiratet)
be-ver-zugeben (Vorkommnis, verzeihen, gestehen)
zer-ver-unter-aufgebrochen (Scherben, kriminell, Rede, zu neuen Ufern)
ge-verdreht (im Kreis, den Arm)
ver-gestört (Gemütsverfassung, Empfang)
zer-be-gelaufen (Schokolade, Strafe, Marathon)
auch auf englisch lustig:
nowhere ( nirgendwo )
now here ( jetzt hier )
Eingedeutschte Fremdwörter:
präpotent - was wäre dann
post-potent?
Wer kennt schon den genauen Unterschied?
| Ironie | feiner, verdeckter Spott, mit dem man etwas dadurch zu treffen sucht, daß man es unter dem auffälligen Schein der eigenen Billigung lächerlich macht; durch übertriebene Zustimmung seine Kritik zum Ausdruck bringen |
| Sarkasmus | beißender (höhnischer) Spott; bissig-spöttische Äußerung, Bemerkung |
| Zynismus | verletzend-spöttisch bissige Aussagen oder Bemerkungen, schamlos-verletzender Spott |
Groß- und Kleinschreibung:
Er hatte liebe Genossen.
Er hatte Liebe genossen.
Die Spinnen!
Die spinnen!
Der Gefangene floh.
Der gefangene Floh.
Sich brüsten und anderem zuwenden.
Sich Brüsten und anderem zuwenden.
Kann man den Unterschied hören?
richtig schreiben:
schämen, Schemen, Schemata
Die Verse (Gedichte)
diverse (verschiedene, mehrere)
hindern
Hintern
Mißverständliche Aussagen:
Was genau heißt dieser Satz:
"Ich hätte nichts gegen Schwarze in der Regierung."
"Ich hätte nichts gegen die Schwarzen in der Regierung."
Ist das jetzt eine Aussage über eine bestimmte Großpartei oder über eine ethnische Gruppe von Menschen?
Zwiebelfisch:
Buchempfehlung: "Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod" (Bastian Sick)
(Ein Wegweiser durch den
Irrgarten der deutschen Sprache)
Der
Zwiebelfisch
(Kolumnist:
Bastian Sick)
sehr spannend: "Quiz - Testen Sie ihr Deutsch!"
Anmerkung zum "Zwiebelfisch"
- ein Ausdruck aus
dem Bereich des Zeitungs- und Buchdrucks. Ein einzelner Buchstabe, der
irrtümlich in einer anderen
Schrift gesetzt wurde.
- ein Vertreter der Gattung der Karpfenfische (auch Ukelei)
Daneben wird die Bezeichnung "Zwiebelfisch" verwendet für
eine von 1910 bis 1934 und dann erneut von 1946 bis 1948 erschienene Zeitschrift für Literatur und Kunst.
eine Kolumne über Sprachkultur auf der Website Spiegel Online des Autors Bastian Sick.
ein Magazin für Gestaltung der Freien Hochschule für Grafik-Design & Bildende Kunst Freiburg.
seit 1981 ein Lokal am Savignyplatz in Berlin.
den Titel der Schülerzeitung
am Melanchthon-Gymnasium Nürnberg
Kleine Beispiele aus der
"Zwiebelfisch-Kolumne"
"Über die österreichische
Sprache" oder "Gegen
den Verfall unserer Sprache"
Kleines Fremdwörterlexikon (wird erweitert)