Warum die Taube "Taube" heißt

 

von Norbert Pauser

(Hg.: Österreichischer Gehörlosenbund)

 

Klappentext:
Warum die Taube "Taube" heißt erzählt das Märchen von einer gehörlosen Prinzessin, die nach langer Zeit der Einsamkeit, durch das Erlernen der Gebärdensprache die Welt neu entdeckt.

Sie erlebt, getragen von Liebe und Zuwendung, die Befreiung von ihrem Kummer und - wird glücklich.

Ganz nebenbei klärt sich auch das ewige Rätsel, woher die Taube eigentlich ihren Namen hat. Prinzessin Franziska verkörpert ein Anders-Sein im Märchen abseits der Klischees von buckligen Hexen, hässlichen Zwergen und listigen Gnomen und vermittelt einen Einblick in die faszinierende Welt der Gebärdensprachen.

 

 

Eine Rezension von Alexandra:
(vom 8. Dezember 2005 auf bizeps.or.at)

Ich hab nun endlich das Buch gelesen und ich muss sagen, es übertrifft bei weitem die Erwartungen. Unglaublich liebevoll und detailliert illustriert; die Schrift sehr leserfreundlich und somit können auch jüngere Kinder das Buch problemlos lesen. Es ist auch nicht zu kindisch geschrieben, somit sind auch Zusammenhänge und die Charaktere der einzelnen Personen leicht zu verstehen. Sehr spannend geschrieben und läßt den (Vor-)Leser nicht los.

 Die Bilder lohnen, sich genauer anzusehen, diese detailverliebten Zeichnungen mit den ausdrucksstarken Gesichtern.

Was mir jedoch besonders gefallen hat, war die Beziehung zwischen Sprache und Leben bzw. Lebensqualität.
Und welche Bedeutung die Sprache für jeden Menschen haben kann.
Ein wirklich wunderbares Buch über Liebe, Intrigen, Freundschaften und Wünsche - achja ... und Tauben.

 

Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen.

Lest das Buch und erfahrt alles über Franziska und ihre Eltern, Marino und seine Mutter und ihre Art, sich zu unterhalten, über den bösen Minister, über die anderen Leute im Volk, ... und natürlich auch über Tauben.

 

 

Ganz genial finde ich die Wortschöpfung des "Sterbensgebärdchens".

 

Leseprobe 1:
Es vergingen einhundertundeine Stunde und genau bei Anbruch der einhundertundzweiten Stunde ertönten die Fanfaren aus dem Aussichtsturm des Schlosses und kündigten damit die Ankunft der ersehnten Leute an. Alle liefen zusammen und drängten sich an den Fenstern des Schlosses.
...
Und sie kamen auf ihre Kosten, denn was sie sahen übertraf ihre kühnsten Erwartungen. Die Frau und ihr Sohn, der sehr hübsch war, bewegten mit einer unglaublichen Leichtigkeit ihre Arme und Hände, sie formten mit ihren Lippen lautlose Worte und das Einzige, das zu hören war, war ihr Lachen. Offensichtlich hatten die beiden sehr amüsante Dinge zu bereden. Es war fremd, aber schön anzuschauen, wie sie kunstvolle Bewegungen in der Luft formten, und der gesamte Hofstaat kam nicht mehr aus dem Staunen heraus.

 

Und dann werde ich Euch noch erzählen, was aus dem bösen Minister geworden ist:

Leseprobe 2:
Er würde, so beschloss er, von Land zu Land ziehen und allen Menschen berichten, dass jede und jeder, die oder der die Gebärdensprache benützte, in Wirklichkeit stumm sei, denn man könnte diese Sprache nicht hören und alle tauben Menschen, die gebärdeten, würden somit niemals in der Lage sein, laut sprechen zu lernen. Diese Sprache würde das nämlich verhindern. Ihm war klar, dass niemand einem verbannten Minister glauben würde, und so würde er eben als Hals-, Nasen-, Ohrenarzt auftreten, dann würde er wohl genügend überzeugend wirken. Schon damals glaubten viele Leute den Ärzten, obwohl letztlich doch kein Mensch allwissend ist. Noch am nächsten Tag brach er auf, um seine neuen Boshaftigkeiten unter den Menschen zu verbreiten. Seine geschickten Redekünste nahm er mit.
 

 

Gebärdensprachvideo: Warum die Taube "Taube" heißt

 

Viel Spass beim Vorgebärden!

 

 

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