Weihnachten in Österreich:

Bei uns kommt das Christkind !!!
 

                                              
einige Darstellungen


Vom Himmel hoch, da komm ich her ...

... und nicht vom unwirtlichen Nordpol und schon gar nicht durch Kamine.

Der Ursprung des Christkinds geht (vermutlich) auf Martin Luther zurück. Da Nikolaus ein katholischer Heiliger war, Luther jedoch jegliche Heiligenverehrung ablehnte, fielen Nikolaus und seine Funktion quasi in "Ungnade". 1535 wurde in den deutschen Ländern mit dem neuen "protestantischen" Glauben der bis dahin übliche Brauch, Kinder am Nikolaustag zu beschenken, auf Weihnachten verlegt. Die Geschenke wurden künftig also nicht mehr vom Nikolaus am 6. Dezember, sondern vom "heiligen Christ" an Weihnachten gebracht. Für die katholischen Kinder brachte vorläufig weiterhin der Nikolaus Geschenke an seinem Gedenktag und später dann - wie das Christkind auch - an Weihnachten. Im Laufe der Zeit (etwa Ende des 18. bzw. 19. Jahrhunderts) übernahmen dann auch die Katholiken das Christkind als Überbringer der Weihnachtsgeschenke und der Nikolaus bekam seine ursprüngliche Funktion als Gabenbringer an seinem Namenstag zurück.

So wurde das Christkindl zum Gabenbringer für die Kinder.
Entsprechend dem Gedanken des Festes ist es der kleine Jesus, der die Aufgabe übernommen hat, speziell für Kinder da zu sein.
Das Christkindl wird auf Bildern eigentlich immer mit Engelsflügel und oft mit einem Heiligenschein ausgestattet - manchmal ist es ein kleiner Junge, weil es sich ja um das Jesus-Kind handelt, manchmal wird es als Mädchen dargestellt mit langen Haaren und in weißen Gewändern, weil es ja ein Englein ist.

Jedenfalls bringt das Christkindl die Geschenke heimlich und meist bei Nacht, es fliegt über das verschneite Land zu jedem Kind.
Kleinigkeiten, wie etwa das vor der Bescherung offen zu haltende Fenster, tragen sehr zur Stimmung bei.

In vielen Familien ist es Tradition, daß "irgendwann" an Heiligabend das Christkind kommt.
Es bringt heimlich die Geschenke, läutet mit einer kleinen Glocke und verschwindet sofort.
Die Glocke ist für die Kinder das Zeichen, daß sie nach ihren Geschenken schauen dürfen.

Die Bescherung findet am 24. Abend ("Heiliger Abend") statt.
Mit Geschenken, die unter dem Christbaum liegen und nicht in Socken gestopft werden - durchs Fenster gebracht, ohne sich durch einen engen Kamin zu zwängen.
Das österreichische Christkind hat eben Stil und ist von ehrlicher kindlicher Vorstellungskraft getragen.

Das Christkind lässt sich überhaupt nicht "nachspielen".
Deshalb kann auch nicht jedes Warenhaus ein Christkindl haben, die Verwirrung unter den Kindern stiften.

Es gibt nur ein und ein einziges Christkind und das kommt am 24. Dezember.

Viele der im Zusammenhang mit dem Weihnachtsmann aufgeworfenen Fragen (teils scherzhaft, für Kinder aber oft ernsthaft) ergeben sich für das Christkind nicht - für den (kleinen) Gott braucht nicht erklärt zu werden, wie er die Geschenke innerhalb kürzester Zeit in aller Welt verteilen kann und wie er sie transportiert.
Wunder sind eben etwas anerkanntes
.
 

 

                                               
               "Julians Christkind" von lagg.de                                                "lebender" Christbaum,
                                                                                                wird nach Weihnachten eingepflanzt
 

Ein Baum, der ein Baum bleibt

In Österreich gibt es keinen Weihnachtsbaum sondern einen Christbaum.
Und der Unterschied beschränkt sich keinesfalls nur auf die Wörter - ein österreichischer Christbaum unterscheidet sich erheblich von Weihnachtsbäumen.

Vor allem ist er ein Baum und das soll man auch sehen. Der Christbaum wird nicht bis zur Unkenntlichkeit mit Schmuck, Watte und Flitter zugedeckt, sodass es egal sein könnte, ob er echt oder ein Styroporkegel ist. Er ist ein geschmückter Baum und nicht das Trägermaterial für Schmuck.

Natürlich gibt es auch in Österreich unterschiedliche Möglichkeiten und Stile, den Christbaum zu schmücken. Den Baum auf "Schnee und Eis" (vorwiegend weiss mit eisigem Blau, wie etwa in den USA üblich) zu schmücken, ist nicht gängig. Sehr verbreitet ist hingegen der "Bauernchristbaum" mit der traditionellen Farbe Rot - dazu können sich dann auch durchaus noch andere Farben gesellen (z.B. etwas Silber). Auch Äpfel und Nüsse können als Dekoration Verwendung finden und für Kinder werden Naschereien aufgehängt. In jedem Fall bleibt genügend Baum zu sehen.

Zu einem österreichischen Christbaum gehören auch die echten Kerzen - was zwar nicht ungefährlich ist, aber zur Stimmung gehört. Schon alleine das Entzünden der Kerzen ist eine stimmungsvolle Handlung.
Doch aufgrund nicht unerheblicher Brandgefahr greifen doch immer mehr Österreicher zu Elektrokerzen. 
 

Die Einstimmung in der Adventzeit

 
                 Adventkranz                                                                 Adventkalender

Zur Adventzeit in Österreich gehört auch der Adventkranz. Man beachte hier: Advent ohne "s". Es heisst Adventzeit, Adventkranz und Adventkalender. Mit "s" ist es bundesdeutsch. Nur der Advent(s)markt heisst Christkindlmarkt ...

Es ist nicht unbedingt ein Frage von besonderer Frömmigkeit, wenn an 4 Sonntagen jeweils eine zusätzlich Kerze am Adventkranz entzündet wird, sondern vielmehr ein Versuch, sich der (unpassenden) Hektik des vorweihnachtlichen Trubels zu entziehen, der auch hierzulande nicht die Ausmaße angenommen hat, als anderswo. Der Österreicher hat etwas für Stimmung und Beschaulichkeit über.

Ein wichtiges Ereignis im Advent ist der Abend des 5. Dezember (Vorabend zum St. Nikolaus-Tag). Hier ist der Heilige aus Myra nicht zum Santa Klaus (einen kleinen Dicken mit roter Nase) umgezeichnet worden. Er ist das geblieben, was sein historisches Vorbild war: Ein Bischof.

Als solches tritt er auch den Kindern gegenüber: Mit Bischofsgewand, der Bischofsmütze und dem oben geringelten Stab. Und er ist eher groß und hager. Ein Bild dem der Weihnachtsmann im hohen Norden durchaus nahekommt. Aber St. Nikolaus ("Nikolo") hat mit dem Weihnachtsmann nichts zu tun, er hat seinen großen Auftritt im ersten Teil des Adventes (wie Sinterklaas in Holland) und legt Wert darauf, dass die Kinder brav waren.

In seiner Begleitung befindet sich der Krampus - ein ausnahmsweise relativ zahmer Teufel, der allerdings zur Abschreckung eine Butte (keinen Sack!) mit sich führt und überdies mit einer Reisigrute ausgestattet ist. Bösen Kindern wird zwar auch das Mitnehmen in der Butte angedroht, es bleibt aber bei eher symbolhaften Streichen mit der Rute.

Brave Kinder werden belohnt - durchaus mit gängigen Naschereien (z.B. Schokofiguren, traditioneller Weise auch Lebkuchen), aber auch mit Klassischem: Äpfel, Trockenobst wie Dörrzwetschken und Kletzen (getrocknete Birnen), Datteln, Feigen und Nüsse (sowohl Walnüsse als auch Erdnüsse / Aschanti). Ältere Menschen erinnern sich auch noch bestens an die "Buxhörndln": Ziemlich trockene, auberginefarbene, große Schoten, die einen süssen Geschmack abgeben (30 - 50% Zucker!), wenn man sie auslutscht. Als "Johannisbrot" feiert die mediterrane Frucht derzeit ein Comeback ...

Zum vorweihnachtlichen Zeremoniell gehört auch das Schreiben und Abgeben der Wunschzettel. Diese werden abends ins Fenster gelegt (eventuell zusammen mit Keksen) und am Morgen verschwunden (vom Christkind) abgeholt.

Aber schon seit 1950 steht österreichischen Kindern eine modernere (und trotzdem inzwischen nostalgische) Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit dem Christkind zur Verfügung: Über das Postamt der oberösterreichischen Ortes "Christkindl", PLZ A-4411 - 72 Millionen Wunschzettel sind im Laufe von 52 Jahren so an die richtige Adresse gelangt.



Christkindlmarkt

Er ist kein Adventsmarkt und auch kein Adventmarkt - erst ist der Christkindlmarkt. Zutritt für Weihnachtsmänner nicht gestattet. Seit 1294 gibt es ihn in Wien, er hatte unterschiedliche Standorte und befindet sich seit 1975 auf dem Platz vor dem Wiener Rathaus und nach seinem Vorbild sind im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche andere Christkindlmärkte in Österreich entstanden.

Das Besondere an Christkindlmärkten ist, dass dort nur Kleingewerbetreibende als Anbieter von weihnachtlichen Geschenken und Dekorationen auftreten und damit sehr viel (Kunst-) Handwerkliches und wenig Industrielles angeboten wird - in stilvoller Atmosphäre,  eher dezenter Umgebung und ohne grelles Licht.

Besonders schön ist auch der Christkindlmarktpark, wo zur Adventzeit die Bäume in weihnachtlicher Beleuchtung geschmückt werden.

 

Der Weihnachtsabend (Der "Heilige Abend")

... der ebenso wenig ein "Heiligabend" ist, wie man AN Weihnachten etwas tut. In Österreich geschieht es ZU Weihnachten.

Die Weihnachtsfeiern werden am Vorabend des ersten Weihnachtsfeiertages abgehalten - Also am Abend des 24. Dezember.
Schon während des ganzen Tages wurden die jüngeren Kinder vom späteren Ort der Bescherung ferngehalten, um dem Christkind die Möglichkeit zu geben, unbeobachtet den Baum zu schmücken.

Am Abend, noch vor dem Festmahl, erfolgt die Bescherung - ein Glöckchen erklingt und damit hat das Christkind das Zeichen gegeben, dass alles bereit steht und einige Augenblicke später darf der Raum mit dem Christbaum betreten werden.

Meist wird unter dem Christbaum das klassische  Weihnachtslied "Stille Nacht, Heilige Nacht" gesungen.
Es gibt jedoch natürlich auch "grünende O'Tannenbäume und "tschingelnde Bells" .

Die Geschenke liegen unter dem Christbaum - gleich neben der Krippe, vorzugsweise aus Holz - und nach eventuell noch einigen abgebrannten Wunderkerzen werden die Geschenkpakete geöffnet und auch die am Baum hängenden Süssigkeiten sind zum Verzehr freigegeben.

Für das anschließende Festmahl haben der Weihnachtskarpfen, die Weihnachtsgans oder einfach der Weihnachtsbraten Tradition - doch das ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich.

Viel wichtiger als die Hauptspeisen sind zu Weihnachten ohnedies die Bäckereien. Unter der Vielzahl der Kekse ist das Vanillekipferl immer noch die absolute Nummer 1. Vielleicht, weil es ziemlich schwer ist, gute Vanillekipferl zu schaffen. Sie dürfen nicht beim Angreifen zerbröseln, man sollte sie aber leicht mit der Zunge am Gaumen zerdrücken können ... was Mehlspeisen anlangt, sind Österreicher höchst anspruchsvoll.
 

         
       Vanillekipferl                 Glöckchen                          Kerzenlicht                                    Krippe

 

Die Mitternachts-Mette

Es ist keine Frage besonders tiefer Gläubigkeit, dass der mitternächtliche Kirchgang (Christmette) ebenfalls tief verwurzelt ist. Für viele Österreicher einer der wenigen oder der einzige Kirchgang des Jahres.

Gerade in ländlichen Gebieten ein gesellschaftliches Ereignis und in Berg-Tal-Landschaften ein phantastisches Bild, wenn Pferdeschlitten von überallher in Schein von Fackeln zur örtlichen Kirche zusammenströmen.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle noch erwähnen, dass das weihnachtliche Brauchtum in Österreich natürlich stark dem christlichen Glauben entspringt, dass aber das Ausüben der Bräuche und die Einstellung dazu nicht an Gläubigkeit und die Kirche gebunden ist ...


 

Joseph Mohr, 1816 (1792-1848)

1. Stille Nacht! Heil'ge Nacht!
Alles schläft; einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab' im lockigten Haar,
|: Schlafe in himmlischer Ruh! :|

2. Stille Nacht! Heil'ge Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb' aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund'.
|: Jesus in deiner Geburt! :|

3. Stille Nacht! Heil'ge Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höhn,
Uns der Gnaden Fülle läßt sehn,
|: Jesum in Menschengestalt! :|

4. Stille Nacht! Heil'ge Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß,
Und als Bruder huldvoll umschloß
|: Jesus die Völker der Welt! :|

5. Stille Nacht! Heil'ge Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreit
In der Väter urgrauer Zeit
|: Aller Welt Schonung verhieß! :|

6. Stille Nacht! Heil'ge Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Alleluja,
Tönt es laut bei Ferne und Nah:
|: "Jesus der Retter ist da!" :|
 

 

 

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