Aus: "Der
Dativ ist dem Genitiv sein Tod"
(Bastian Sick)
Sinn und machen
passen einfach nicht
zusammen.
Das Verb "machen" hat die Bedeutung von fertigen, herstellen, tun, bewirken;
es geht zurück auf die indogermanische Wurzel mag- , die für "kneten"
steht.
Das Erste, was gemacht wurde, war demnach Teig.
Etwas Abstraktes wie Sinn läßt sich jedoch nicht kneten oder formen. Er ist
entweder da oder nicht.
Man kann den Sinn suchen, finden, erkennen, verstehen, aber er lässt sich nicht
erschaffen.
Die deutsche Sprache
bietet viele Möglichkeiten, den vorhandenen Sinn auszudrücken.
Neben "Das ist sinnvoll" ist ebenso richtig:
"Das ergibt einen Sinn", Das hat einen Sinn", "Ich sehe einen Sinn darin".
Um nur eine Ahnung der vielfältigen Möglichkeiten zu geben, sei hier ein Auszug
aus dem monumentalen Lamento-Monolog des sagenumrankten Sinnfried Sinnstifter
zitiert, der die Aufforderung, einen sinnvollen Satz ohne "machen" zu
formulieren, empört mit folgenden Worten zurückwies:
"Warum sollte das sinnvoll sein? Ich sehe keinen Sinn darin! Welcher Sinn sollte
sich dahinter verbergen? Das ist vollkommen unsinnig! Ich kann keinen Sinn darin
erkennen. Das ist absolut ohne Sinn, es ergibt nicht den geringsten Sinn. Ich
frage Sie, wo bleibt da der Sinn? Liegt denn überhaupt ein Sinn darin? Der Sinn
des Ganzen ist unergründbar! Mir vermag sich der Sinn nicht zu erschließen, und
je länger ich den Sinn zu ergründen, zu erhaschen, zu begreifen suche, desto
deutlicher sehe ich, dass es keinen Sinn hat!"
Im Bann des
Silbenbarbaren
Aus dem Silbensumpf hat
sich ein Suffix erhoben, den deutschsprachigen Raum zu erobern.
Und zwar bar jeder Rücksicht: Was früher unverwüstlich war, ist heute
unverwüstbar. Produkte werden kaufbar, Entscheidungen akzeptierbar, Menschen
erinnerbar. Der Siegeszug des Silbenbarbaren scheint unaufhaltbar.
Die Endsilbe -bar
ist auf dem Vormarsch. Und im Moment sieht es so aus, als wäre sie durch nichts
aufhaltbar.
Wie ein Heer grimmiger Orks rückt sie voran und nimmt ihren schwächeren
Konkurrenten Lich, Abel und Sam eine Bastion nach der anderen ab. Die Genannten
sind nicht etwa Hobbits, sondern Suffixe.
Innerhalb kurzer
Zeit ist die Macht der Silbe ins Unermessbare gestiegen. Sagen Sie noch
"unerklärlich" oder schon" unerklärbar"? Sind Vergangenheit und Schicksal für
Sie unveränderliche oder unveränderbare Größen? Ist das Unaussprechliche für Sie
bereits zum Unaussprechbaren geworden?
Wenn ja, dann befinden Sie sich möglicherweise im Bann des Silbenbarbaren. Dann
hat er Sie erfolgreich auf seine Seite gezogen. Sie waren anscheinend fangbar.
Nun sind Sie ihm dienstbar. Unaufhörbar.
Ich erinnere das
nicht
Sie verstehen es, sich zu
tarnen, sie tragen deutsche Alltagskleidung und fallen daher in der Menge kaum
auf. Die Rede ist von unsichtbaren Amerikanismen. Heimlich unterwandern sie
unsere Syntax, ohne dass wir es sofort merken. Die Wörter klingen zwar noch
deutsch, doch die Strukturen sind es nicht mehr.
"I can´t remember
that", erwidert Rumsfeld auf die Frage, ob es vor dem 11. September 2001
Hinweise darauf gegeben nabe, dass Passagierflugzeuge als Waffen eingesetzt
werden könnten.
Bei der Übersetzung ins Deutsche wird daraus: "Ich kann das nicht erinnern", als
Überschrift verkürzt zu "Rumsfeld: Ich erinnere das nicht".
Also wiederum ein Amerikanismus, der sich in die deutsche Sprache eingeschlichen
hat. Und viele Amerikanismen erkennt man erst auf den zweiten Blick, wenn
überhaupt. Sie kommen im deutschen Gewand, sodass man sie für Sprachangehörige
hält. Und heimlich verändern sie unsere Syntax, machen aus "sich an etwas
erinnern" kurzerhand "etwas erinnern", streichen das sich mit jemandem treffen"
zu "jemanden treffen" zusammen und verwässern unsere Sprache mit fragwürdigen
Phrasen wie "das macht Sinn" (statt "das ist sinnvoll"), "ich denke" (statt "ich
meine", "ich glaube"), "nicht wirklich" (statt "eigentlich nicht") und "einmal
mehr" (statt "wieder einmal").
Trügerischer
Anschein des Scheinbaren
Morgens um sieben ist die Welt
anscheinend noch in Ordnung. Oder ist sie es nur scheinbar? Allem Anschein nach
ist der unscheinbare Unterschied zwischen scheinbar und anscheinend nicht
hinlänglich bekannt. Dabei verbirgt sich hinter dem anscheinend Ähnlichen nur
scheinbar Gleiches.
Der Bedeutungsunterschied
zwischen "anscheinend" und "scheinbar" ist alles andere als gering.
"Anscheinend" drückt die Vermutung aus, dass etwas so ist, wie es zu sein
scheint: Anscheinend ist der Kollege krank, anscheinend hat keiner zugehört,
anscheinend hat der Chef mal wieder schlechte Laune.
"Scheinbar" hingegen sagt, dass etwas nur dem äußeren Eindruck nach, nicht aber
tatsächlich so ist:
Scheinbar interessierte er sich mehr für die Nachrichten (in Wahrheit wollte er
bloß seine Ruhe haben); scheinbar war der Riese kleiner als der Zwerg (weil der
Zwerg ganz weit vorne stand und der Riese ganz weit hinten); scheinbar endlos
zieht sich die Wüste hin.
in den wenigsten Fällen, in denen scheinbar gebraucht wird, ist
scheinbar auch wirklich gemeint.
Sätze wie "Das ist ihm scheinbar egal" oder "Scheinbar weiß es keiner" sind zwar
häufig zu hören, doch leider -meistens- falsch. Richtig muss es heißen: "Das ist
ihm anscheinend egal" und "Anscheinend weiß es keiner".
Andernfalls würde es bedeuten, die Gleichgültigkeit und die Unwissenheit wären
nur vorgetäuscht.
In besonders romantischen
Momenten steht die Zeit scheinbar still. Hier ist scheinbar
richtig, denn es handelt sich nur um einen "gefühlten" Zeitstillstand und keinen
echten. Doch wo immer sich jemand scheinbar geirrt hat, da hat er sich
höchstwahrscheinlich bloß anscheinend geirrt.
Zum Beispiel Cäsar; der hatte sich anscheinend in Brutus getäuscht, sonst
hätte ihn dessen Beteiligung am Komplott nicht derart überrascht. Dass er kein
Mißtrauen gegen Brutus hegte, lag daran, dass dieser ihm scheinbar
wohlgesinnt war. Pech für Cäsar, dass der Schein trog.
Ein noch berühmteres Beispiel liefert die griechische Sagenwelt: Im Kampf um
Troja waren die Belagerer scheinbar zum Rückzug bereit. Ihr hölzernes
Pferd sollte die Trojaner von ihrem Friedenswillen überzeugen.
Über der Erkenntnis, dass zwischen Anschein und Wirklichkeit oft brutale Lücken
klaffen, versank Troja in Schutt und Asche.
dasselbe / das
Gleiche
Dass dasselbe und das Gleiche
nicht dasselbe ist, sieht man schon daran, dass dasselbe zusammen-
und das Gleiche auseinander geschrieben wird.
Zwei Frauen können nicht zur selben Zeit dasselbe Kleid tragen, wohl aber das
gleiche. Der-, die-, dasselbe besagt, dass etwas identisch ist. Der, die, das
Gleiche besagt, dass sich zwei unterschiedliche Dinge aufs Haar gleichen.
Dasselbe gibt's also immer nur einmal, während das Gleiche gewissermaßen ein
Duplikat, ein Klon ist.
- Sie fuhren beide das gleiche Auto,
hatten aber nicht dasselbe Ziel.
- Sie benutzen beide die gleiche mittelharte Zahnbürste, aber niemals dieselbe.
Meistens wird dasselbe fälschlicherweise anstelle von das Gleiche
gebraucht,
wenn es nämlich um identische Dinge geht, die aber in mehreren Exemplaren
existieren:
"Dieselbe CD habe ich auch!" ist falsch, man kann nur eine gleiche CD besitzen.
Aber auch andersherum werden Fehler gemacht. Immer wieder liest man "im gleichen
Jahr", "am gleichen Tag", dabei aber kann es sich nur um dasselbe Jahr
und denselben Tag handeln, denn kein Tag gleicht dem andern, und kein
Jahr ist wie ein anderes.
Und warum wird das Gleiche in zwei Wörtern geschrieben, dasselbe
aber zusammen? Das liegt daran, dass das Wort "gleich" ein Adjektiv ist, welches
allein stehen und substantiviert werden kann. Das Wort "selbe" hingegen ist kein
Adjektiv, sondern Teil eines Demonstrativpronomens. Es kann nicht allein stehen,
es ist immer an einen bestimmten Artikel gebunden: derselbe, dieselbe, dasselbe,
denselben, demselben, im (= in dem) selben Moment, am (= an dem) selben Tag.
auseinander
schreiben/zusammenschreiben
Früher wurde manches
auseinandergeschrieben, heute wird vieles auseinander geschrieben.
Warum ist das so? Durch die Rechtschreibreform wurden alle Fügungen, deren
erster Bestandteil ein mit -einander gebildetes Adverb ist,
auseinander-gerissen, um sie der Schreibweise getrennt geschriebener Wortgruppen
wie "miteinander spielen", "zueinander sprechen" und "untereinander tauschen"
anzugleichen. Seitdem wird alles auseinander geschrieben, was mit auseinander
beginnt.
Die Möglichkeit der semantischen Unterscheidung ging dadurch leider verloren:
Früher konnte zum Beispiel zwischen dem wörtlichen "auseinander setzen" (zwei
schwatzende Schüler auseinander setzen) und "auseinandersetzen" im übertragenen
Sinn (sich mit einem Thema auseinandersetzen) unterschieden werden, heute geht
dies nicht mehr.
Bei Zusammensetzungen mit "zusammen-" wurde hingegen nicht viel geändert, sodass
die Möglichkeit der Unterscheidung erhalten blieb
Wir sind zusammen gekommen (=
gemeinsam/gleichzeitig) und getrennt gegangen.
Wir sind heute hier zusammengekommen (= haben uns versammelt), um
einen bedeutenden Mann zu ehren.
Später haben sie zusammengesessen. (= nebeneinander gesessen)
Später haben sie zusammen gesessen. (= beide waren im Gefängnis)
Früher gab es erdölfördernde
Länder einerseits und milchverarbeitende Betriebe andererseits. Dann kamen die
Ölkrise und die Rechtschreibreform. Heute gibt es Erdöl fördernde Länder und
Milch verarbeitende Betriebe einerseits.
Und andererseits grotesk zerrupfte Begriffe wie Kapital gedeckt, Rückfall
gefährdet und Muskel bepackt.
Eines ist gewiss: Die Zeiten ändern sich.
Der gutaussehende diensthabende Stationsarzt von einst ist heute allenfalls noch
ein gut aussehender Dienst habender Stationsarzt. Und die ehemals
gewinnbringenden Anlagen sind auch nicht mehr, was sie mal waren. Ob das Gewinn
bringend für unsere Sprachkultur ist, wird von vielen angezweifelt. Zu Recht,
denn die Verwirrung in der zeitgenössischen Orthographie ist immens.
Die Rechtschriebreform wollte alles ein bisschen leichter machen. Regeln sollten
vereinfacht werden, Ableitungen sollten logischer, Schreibweisen sollten
geglättet werden. Schön und gut. Aber haben wir es mit der Rechtschreibung heute
wirklich leichter? Wie kommt es dann zu derart irritierenden Textpassagen wie
"Das Fernsehen sendete die Bilder Zeit versetzt" oder "Die Rakete fliegt fern
gelenkt"? Wo kommen auf einmal all die "Reform orientierten" Chinesen her, die
"Start bereiten "Shuttles, die "Computer gestützten" Spiele und die "Asbest
verseuchten" Schulgebäude?
Es lässt sich eine Besorgnis erregende Zunahme falscher Getrenntschreibungen
feststellen. Besorgnis erregend, fast schon Furcht einflößend. Oder auch
furchteinflößend. Auf jeden Fall Verwirrung stiftend.
Die Rechtschreibreform hat viele Zusammensetzungen auseinander gerissen.
Plötzlich war hier zu Lande nichts mehr so, wie es hierzulande mal war. Und wer
dem Geheimnis der neuen Regelung auf den Grund zu gehen versucht, der verstrickt
sich alsbald in einem klebrigen Gespinst aus Widersprüchen und Ungereimtheiten.
Es würde zu weit führen, an dieser Stelle sämtliche Aspekte der Getrennt- und
Zusammenschreibung erörtern zu wollen.
Für den Anfang genügt es schon, einen kritischen Blick auf Zusammensetzungen mit
so genannten Partizipien zu werfen. Partizipien sind Wörter, die von Verben
abgeleitet werden, aber den Charakter von Adjektiven haben. Es gibt sie im
Präsens: sitzend, schlafend, träumend. Und im Perfekt: gesessen, geschlafen,
geträumt, erledigt, benutzt, verloren.
Früher war die Regel eigentlich ganz einfach: Eine Verbindung mit einem Partizip
schrieb man zusammen und klein. Punktum. "Schweiß" und "treibend" ergab
schweißtreibend, "Glück" und "verheißend" ergab glückverheißend,
"allein" und "erziehend" ergab alleinerziehend. Diese Regel hat selten zu
Protestaktionen oder Unterschriftensammlungen geführt, denn sie war kurz,
einfach und logisch. Selbst weniger talentierte Lehrer waren in der Lage, sie zu
vermitteln, und zur Not konnten sie sich bei der Mathematik bedienen, denn die
Regel ließ sich als immergültige Formel darstellen:
x + Partizip = Adjektiv.
Dann traten die Rechtschriebreformer auf den Plan und fanden, diese Regel sei
überhaupt nicht logisch und müsse dringend überarbeitet werden. Wenn man die
Grundform "viel versprechen" in zwei Wörtern schriebt, so sei es doch nahe
liegend, auch "viel versprechend" in zwei Wörtern zu schreiben. Doch nur weil
zwei Wörter in der einen Konstellation auseinander geschrieben werden, muss das
noch lange nicht heißen, dass man sie in einer anderen Konstellation nicht
zusammenschreiben kann.
Allen Weisheiten zum Trotz trat die Rechtschriebreform in Kraft und hat hat
seither Tausende von Lehrern, Schülern, Lektoren und Journalisten in tiefste
Verunsicherung und manchen Kolumnisten sogar in Verzweiflung gestürzt.
Die neuen amtlichen Regeln schrieben vor: Fügungen als zweitem Bestandteil
werden getrennt geschrieben, wenn sie auch in der Grundform getrennt geschrieben
werden. Länder, die Erdöl fördern, sind somit Erdöl fördernde Länder. Betriebe,
die Milch verarbeiten, sind Milch verarbeitende Betriebe. Mütter, die allein
erziehen, sind allein erziehend.
Und Meldungen, die Besorgnis erregen, sind Besorgnis erregend.
Besorgnis erregend ist indessen auch die Vielzahl der Ausnahmen, bei denen dann
doch die gute alte Zusammenschreibung gilt. Dies ist vor allem immer dann der
Fall, wenn der erste Bestandteil der Fügung für eine Wortgruppe steht. als
Beispiel wird dann gerne der Begriff "angsterfüllt" genannt. In der Grundform
heißt es nämlich "von Angst erfüllt", daher steht "angst-" für eine verkürzte
Wortgruppe, folglich muss die Fügung zusammengeschrieben werden.
auch "herzerweichend" ist do ein Fall - lautet die Grundform doch "das Herz
erweichen". Und "rufschädigend", denn es heißt ja nicht, jemand "schädigt Ruf",
sondern jemand schädigt einen oder jemandes Ruf.
Das Asyl der Asyl suchenden Flüchtlinge hingegen geht nicht auf eine Wortgruppe
zurück, daher sind sie nicht länger asylsuchend. Aber wie ist es mit den Arbeit
suchenden Menschen? Die meisten von ihnen suchen vielleicht tatsächlich nur
Arbeit, aber es ist doch ebenso gut möglich, dass ein paar von ihnen eine
Arbeit suchen? Hätte man es dann nicht mit einer Wortgruppe zu tun? Mit einem
eingesparten Artikel, so wie bei "herzerweichend"? Dann hätten diese Menschen
zwar noch kein Recht auf Arbeit, aber immerhin ein Recht darauf, "arbeitssuchend"
genannt zu werden. Im Arbeitsamt müssten zwei Schlangen eingerichtet werden. Wer
Arbeit sucht, der stelle sich links bei den Arbeit Suchenden; und wer
eine Arbeit sucht, der gehe nach rechts, zu den Arbeitsuchenden.
Die Korrekturhilfe von "Word" lässt das Eigenschaftswort "arbeitsuchend"
entgegen der neuen Regelung gelten. Dafür unterstreicht sie aber Wörter wie
muskelbepackt, scherbenübersät und kapitalgedeckt, obwohl die nach wie vor
richtig sind. Prompt findet man in der Presse Sätze wie diese: "Muskel
bepackt und gut trainiert müssen sie sein, die Saalordner der
HipHop-Veranstaltungen." "Der Sozialdemokrat fordert neben der gesetzlichen
Rentenversicherung als zweite Säule eine Kapital gedeckte Rente." "Die
Straße ist Scherben übersät, Kinder rennen barfuß durch die Splitter."
Oder auch: "Radfahrer bewarfen den Puma mit Steinen, bis er von der Blut
überströmten Frau abließ."
"Das haben wir nicht gewollt", sagen die Befürworter der Rechtschriebreform
heute, "das ist das Ergebnis einer völligen Fehlinterpretation der Regeln!"
Tatsache ist: Das große Reformwerk, das sich als richtungweisend
verstand, erwies sich in der Praxis oft als Irre führend. Und "Word"
besorgt den Rest. Findige Verschwörungstheoretiker haben längst eine Verbindung
ausgemacht zwischen der Rechtschreibkommission und den Programmierern der "Word"-
Korrekturhilfe. Beide Gruppen hätten sich verschworen zu dem Zweck, die
deutschsprachige Gesellschaft durch Beseitigung aller sprachlichen Sicherheiten
in ein Chaos zu stürzen, auf dass der Weg frei werde für die Übernahme der
totalen Macht durch Dieter Bohlen.
Dass die Unterscheidung zwischen getrennt geschriebenen und
zusammengeschriebenen Verbindungen nicht klar ist, ist den Verantwortlichen
mittlerweile selbst schmerzlich bewusst geworden. So hat die zwischenstaatliche
Kommission für deutsche Rechtschreibung inzwischen dafür plädiert, die
Schreibung von Verbindungen mit Partizipien "etwas zu flexibilisieren" und den
strittigen Paragraphen um eine "Toleranzklausel" zu ergänzen. Demnach ist bei
Verbindungen mit Partizipien neben der Getrenntschreibung nun ebenfalls (wieder)
Zusammenschreibung möglich, jedenfalls solange das Partizip nicht allein für
sich steigerbar ist.
Die Rat suchenden Leser sind also wieder als ratsuchend zugelassen, und Fleisch
fressende Pflanzen dürfen wieder als fleischfressende Pflanzen verkauft werden.
Ein Teilsieg der Reformgegner, ein kleiner Triumph der Logik. Wenn eines Tages
der Wasser abweisende Schutzanzug auch wieder wasserabweisend sein darf und die
Energie sparende Lampe energiesparend, dann bleiben uns vielleicht auch
Kuriositäten wie Bahn brechende Erfindungen, Hitze beständige
Glasur und Grund legende Reformen erspart. Bis dahin wird uns allerdings
noch manch Atem beraubender, Sinn entleerter, Flächen deckender, Schwindel
erregender, Ohren betäubender, Hane büchener Unfug begegnen.
ß + "Wir bitten um Ihr Verständnis"